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Stammt der Mensch vom Affen ab?

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Einleitung     Top

In seinem Interview geht Jan van Helsing auf die Abstammung des Menschen ein. Seine Aussage lautet: "Ich spreche hier beispielsweise von der Lüge über die Abstammung des Menschen vom Affen, die Existenz technologisch ausgereifter Hochkulturen vor den Sumerern..." Leider geht Jan van Helsing in dem Interview nicht näher darauf ein, wie diese Aussage zu verstehen ist. [01]

Tut Ench Amun

Bild 1: Tut Ench Amun

Offenbar stellt er die Evolution in Frage. Was das aber mit den Sumerern zu tun hat, erfahren wir in seinem Buch "Geheimgesellschaften und ihre Macht im  20. Jahrhunderts", und zwar in Kapitel 29. Was aber die Abstammung des Menschen mit den Hochkulturen der Sumerer, bzw. mit der Zeit vor den Sumerern, zu tun hat, soll an dieser Stelle auch gar nicht weiter erörtert werden. Diese Details könnt ihr hier nachlesen. Dort wird auf die Behauptungen Jan van Helsing's eingegangen, die Menschheit stammt in Wirklichkeit von Außerirdischen ab.

Diese Außerirdischen kommen nämlich von den Planeten des Aldebaran, einem Sonnensystem,  welches 68 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternenbild Stier zu finden ist. Und diese Außerirdischen, die natürlich einer lichten arischen Herrenrasse entsprechen, haben sich vor etwa 400 Millionen Jahren auf der Erde angesiedelt und zwar genau in der von Jan van Helsing gelobten Hochkultur der Sumerer, nachdem sie zuvor den Mars besiedelten und sich dort mit der Technik des Pyramidenbaus vertraut machten. Ja, man muss schon ein wenig in der Weltgeschichte herumgereist sein, um die Sphinx, die Pyramiden von Gizeh und nicht zuletzt die Nofretete oder Tut Ench Amun zu erschaffen. Mir geht es in diesem Artikel aber vielmehr um die Frage: Wie ist das nun wirklich mit der Abstammung des Menschen? Stammt der Mensch wirklich vom Affen ab, oder doch von Außerirdischen? Aber ich glaube, die letzte These überlassen wir lieber den Verschwörungstheoretikern. [02]

Der aufrechte Gang
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Die Menschen stammen nicht vom Affen ab, sondern die heutigen Affen und die heutigen Menschen haben einen gemeinsamen Vorfahren (nämlich einen schimpansenähnlichen Vorfahren). Soweit ist sich die Wissenschaft einig. Dieser Vorfahre hat sich vor etwa sechs Millionen Jahren von allen Vieren auf zwei Beine aufgerichtet, weil der tropische Regenwald in Afrika aufgrund eines Klimawandels zurückging. Es gab fortan weniger Bäume, der gemeinsame Vorfahre kletterte vom Baum auf den Boden und erhob sich dann - irgendwann - auf zwei Bein [03]

Damit ihr das nun folgende besser versteht, schaut euch in Ruhe einmal diese 3 Bilder an:

stammbaum
Bild 2 - Stammbaum Mensch


evolution

Bild 3 - Tier-Mensch Übergang



stammbaum2

Bild 4 - Stammbaum Mensch


Die Entwicklung vom Affen zum Menschen     Top

Man geht davon aus, dass Mensch und Affe einen gemeinsamen Vorfahren haben. Die Trennung von Mensch und Affe soll sich vor etwa 5 bis 10 Millionen Jahren vollzogen haben. Fortan gab es zwei getrennte Entwicklungslinien. Auf der einen Seite entwickelte sich der Affe und auf der anderen Seite die Vorfahren des heutigen Menschen, des Homo sapiens, die man auch als Hominiden bezeichnet. Die Hominiden zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie den aufrechten Gang erlernten, dass sich ihr Gebiss infolge der Nahrungsumstellung veränderte (die hinteren Backenzähne der Affen sind Reißzähne), und dass sich ihr Gehirn bedeutend vergrößerte. Wie auf Bild 6, dem Stammbaum des Hominiden, zu sehen ist, sind der Homo ergaster und der Homo heidelbergensis die direkten Vorfahren des Homo sapiens. Bisher ist es allerdings noch nicht gelungen,  den Übergang vom Affen zum Menschen nachzuweisen. Dieser Übergang wird als "Missing Link" bezeichnet.

Missing Link     Top

Da uns der Begriff "Missing Link" noch häufiger über den Weg laufen wird, soll zunächst einmal geklärt werden, was darunter zu verstehen ist. Als Missing Link bezeichnet man Übergangsformen in der Evolutionsbiologie, die Merkmale von stammesgeschichtlich älteren und jüngeren verwandtschaftlichen biologischen Gruppen vereinen. Der Begriff wurde wahrscheinlich erstmals von Charles Darwin oder Thomas Henry Huxley für das vermutete fehlende Bindeglied zwischen Affen und Menschen geprägt.

Charles Darwin forderte in seiner Evolutionstheorie, dass es bei der Entwicklung neuer Arten eine Übergangsform geben muß, die noch Merkmale der alten, aber auch schon Merkmale der neuen Art besitzen. Da dies zur Zeit Darwins noch wenige Fossilienfunde belegen konnten, wurden sie als vermisst (missing) bezeichnet. Heutzutage aber sind weit über 1000 Übergangsformen entdeckt.

Die Verbindung zwischen Reptilien und Vögeln war lange Zeit ein Missing Link. Heute ist die Übergangsform Archaeopteryx die wohl Bekannteste von allen. Sie weist Merkmale von Vögeln und Reptilien auf. Der Übergang zwischen Reptilien und Säugetieren war ebenfalls lange Zeit ein ungeklärtes Rätsel. Heute weiß man, daß die Säugetiere sehr viel älter sind und neben den Dinosauriern in deren "Schatten" überdauert haben (siehe Bild 4). Offenbar gab es die Reptilien (Wirbeltiere) schon viel früher als die Säugetiere. Der knapp einen Meter große Ichthyostega (Fisch mit Beinen), der vor ungefähr 400 Mio. Jahren lebte, stellt ebenfalls ein Bindeglied zwischen Fischen und Amphibien dar.

Bis heute haben Biologen weit über 1000 "Missing Links" gefunden. Nicht immer sind die Funde so spektakulär wie die Entdeckung des Urvogels Archaeopteryx im 19. Jahrhundert, der Reptilien- und Vogel-Merkmale in sich vereint. Auch Fische wie Acanthostega, ein Vorläufer der Amphibien (Lurche) oder die Schnecke Neopilina galatea (ein Bindeglied zwischen Weichtieren und Ringelwürmern) zählen zu den "Missing Links" und belegen, dass es im Rahmen der Evolution zahlreiche fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Organismengruppen gibt.

Nun scheint auch der Missing Link zwischen Mensch und Affe gefunden worden zu sein. Spanische Forscher haben das Skelett eines Wesens entdeckt, bei dem es sich um das lange gesuchte evolutionäre Verbindungsglied zwischen Affe und Mensch handeln könnte. Der nach seinem Fundort benannte Pierolapithecus catalaunicus könnte der erste Vertreter der Menschenaffen gewesen sein. Davon soll am Ende dieses Artikels noch etwas intensiver eingegangen werden.

Die Übergangsformen zwischen Abstammungslinien existieren meist nur sehr kurze Zeit, da sich die abgespaltenen Linien physiologisch rasch verändern. Dies ist insbesondere dann so, wenn ein wichtiges Merkmal der neuen Abstammungslinie weitgreifende Veränderungen in der Lebensweise ermöglicht, da dann sehr rasch andere Merkmale nachziehen und den Bauplan in die später bekannte Form überführen. [04][05]

Der Australopithecus - Der Vormensch     Top

Nun aber zu den Australopithecinen (Mehrzahl von Australopithecus). Der Name Australipithecus setzt sich zusammen aus australis, was "südlich" heißt, und darauf hindeutet, dass man die meisten Fossilien dieser Art in Südafrika fand, und pithekos (griechisch), was Affe heißt. Zu den Australopithecinen werden unterschiedlich viele Arten gerechnet. Der Australopithecus hat also nichts mit Australien zu tun.

Man unterscheidet die unterschiedlichen Arten, nach ihren körperlichen Merkmalen (z.b. graziler oder robuster Körperbau, mehr oder weniger aufrechter Gang, Ausbildung des Gebisses, längere oder kürzere Arme, Zehen gespreizt oder parallel zum Fuß, Kopf aufrecht oder nach vorn geneigt) und ihrem Nahrungsverhalten (Pflanzenfresser oder Fleischfresser). Die Australopithecinen werden im allgemeinen als die Vormenschen oder Prähominiden (prä = vor) bezeichnet, weil sie schon so viele Merkmale besitzen, daß sie nicht mehr als Affen, aber auch noch nicht als Menschen bezeichnet werden können. Australopithecinen sind nur aus Afrika bekannt. Ein Schwerpunkt ihres nachgewiesenen Vorkommens liegt in Südafrika. Neben Süd- und Nordostafrika besiedelten Australopithecinen aber weitere Gebiete Afrikas. Die ältesten gefundenen Fossilien der Australopithecinen sollen 3,5 Millionen Jahre alt sein.

Im wesentlichen unterschied man die Australopithecinen wohl zwischen den robusteren, extrem an pflanzlicher Nahrung angepassten Arten und den grazileren und flexibleren Australopithecinen, die es verstanden, sich durch Kommunikation und durch die Benutzung von Werkzeugen, vielfältige Nahrungsquellen zu erschließen und sich in ressourcenreichen ökologischen Gebieten zu behaupten. Offenbar starben die robusten extrem an Pflanzenkost angepassten Arten infolge der zunehmenden Trockenheit im Pliozän aus (Beginn vor 5,33 Millionen Jahren und endete vor 1,8 Millionen Jahren, danach kam die Eiszeit), die eng mit dem Rückgang feuchter Regenwälder verbunden ist. Fossilfunde belegen, dass die grazileren Australopithecinen und erste Arten der Gattung Homo habilis, zeitlich und räumlich nicht gemeinsam vorkamen, was auf eine Verdrängung oder Ablösung der Australopithecinen durch den Homo habilis hinweist.

Die Australopithecinen hatten noch ein kleines Gehirn, das mit 450 bis 800 Kubikzentimetern eher in der Nähe des Schimpansen (390 Kubikzentimeter) als des Menschen (1400 Kubikzentimeter) liegt. Obwohl sie ein Becken besaßen, das ihnen den aufrechten Gang ermöglichte, ähnelten sie in ihrer Lebensweise wohl eher den heutigen Schimpansen. Im Gegensatz zu den Menschenaffen besaßen sie jedoch keine langen Eckzähne, was Mahlbewegungen des Kiefers ermöglichte und überwiegend auf pflanzliche Nahrung hindeutet . Dies scheint eine Anpassung an das Zermahlen härterer pflanzlicher Nahrung gewesen zu sein.

Hominiden
Bild 5: Datierung der Hominiden

Die Australopithecinen gingen zwei Millionen Jahre lang aufrecht, ohne dass sich ihre Gehirne dabei wesentlich vergrößerten. Dies hat Evolutionsbiologen zu den Annahme veranlasst, dass die Vorläufer des heutigen Menschen zunächst lernten aufrecht zu gehen und sich erst anschließend die Intelligenz entwickelte. Durch den aufrechten Gang wurden die Hände frei zum Sammeln der Nahrung. Obwohl die Australopithecinen durch ihre Zweibeinigkeit die Hände frei hatten, stellten erst ihre Nachfahren, die Homo habilis, Werkzeuge her. [06]

Homo habilis - Der Menschenaffe
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Der Homo habilis (der geschickte Mensch) ist ein Vorfahre des Homo sapiens, dem heutigen Menschen. Er lebte vor etwa 2,5 bis ca. 2,0 Millionen Jahren in Ostafrika. Der Homo habilis hatte ein etwa 30 Prozent größeres Hirnvolumen als der Australopithecus. Es wird angenommen, dass der Homo habilis zusätzlich Fleisch aß, um sein Gehirn mit mehr Energie zu versorgen. Durch seine höhere Intelligent war der Homo habilis in der Lage Steinwerkzeuge herzustellen. Im Gegensatz zum Homo sapiens war der Homo habilis aber kein Jäger. Er ernährte sich hauptsächlich von Pflanzen und toten Tieren.

Der Homo habilis benutzte seine Werkzeuge hauptsächlich dazu, um totes Wild, das er zufällig in den Wäldern oder auf der Steppe fand, mit Steinmessern, Steinmeißeln und Schabern zu zerlegen. Man benutzte die Werkzeuge allerdings auch bei den täglichen Verrichtungen, wie der Bearbeitung von Holz und anderen Gegenständen. Bei den Vorfahren des Homo habilis, den Australopithecinen, konnte man bisher den Gebrauch von Werkzeugen nicht feststellen. Zwar gab es einige Hinweise auf den Gebrauch von Steinen, Knochen und Geweihen, aber offensichtlich hat man diese nicht weiter bearbeitet.

Der Homo habilis hatte eine Körpergröße von etwa 145 cm. Die Männer hatten ein Gewicht von 50 bis 90 kg und die Frauen ein Gewicht von 30 bis 40 kg. Untersuchungen haben ergeben, dass sich das Gehirn des Homo habilis in seiner Struktur deutlich gegenüber dem Australopithecus verändert hat. Das Gehirn des Homo habilis hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem heutigen Homo sapiens, wenn das Gehirn des Homo sapiens auch etwa doppelt so groß ist wie das des Homo habilis. Vor allem sind erstmals beim Homo habilis Gehirnwindungen im Stirn und Schläfenbereich zu finden. Man vermutet, dass er dadurch zum ersten Mal eine neurologische Voraussetzung für eine Sprachfähigkeit entwickeln konnte. Diese Sprachfähigkeit kann allerdings noch nicht besonders ausgeprägt gewesen sein, da einige anatomische Details an der Schädelbasis dieses verhinderten.

Da der Homo habilis sich im Gegensatz zum Australopithecus vorwiegend auf beiden Beinen (Füßen) fortbewegte und nicht mehr in den Wäldern lebte, entwickelte sich besonders der Fußbereich heraus. So ordneten sich die Zehen parallel an, was das aufrechte Laufen erheblich erleichterte. Gleichzeitig verlor der Homo habilis aber auch die Fähigkeit auf Bäume zu klettern. Manche Forscher zweifeln allerdings immer noch daran, ob der Homo habilis wirklich der Vorfahre des Homo sapiens ist, oder ob er nicht sogar zu den Australopithecinen zu zählen ist. So versuchte 1994 die amerikanische Anthropologin Holly Smith nachzuweisen, dass die Muster der Zahnentwicklung bei Australopithecinen und Homo habilis der Klasse der afrikanischen Affen zuzuordnen sind, während das Gebiss von Homo erectus und vom Neandertaler als menschlich zu klassifizieren sind. [06][07]

Homo Erectus - Der aufrechte Mensch
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Der Name Erectus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet aufgerichtet. Der Homo erectus ist eine ausgestorbene Art der Gattung Homo (Mensch). Bis vor etwa 2 Millionen Jahren soll sich die Entwicklung der Menschheit im wesentlichen in Afrika abgespielt haben. Bis zum Homo erectus gibt es keinen einzigen Hominiden (Menschen) dessen Skelette man außerhalb Afrikas gefunden hat. Dann aber machte sich der Homo erectus vor etwa 1,5 bis 2 Millionen Jahren auf, die Erde zu erobern. Der Homo erectus hat sich weit über Afrika hinaus verbreitet. Er war also nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien und Europa anzutreffen. Wie aber kommt es, dass man sowohl in Afrika, als auch in Asien und Europa, ja selbst im Schöningen in Niedersachsen Hinweise auf den Homo erectus fand? Auf diese Frage möchte ich aber erst etwas später eingehen. (siehe: die Besiedlung Asiens, Australiens, Europas und Amerikas)

Der Körperbau des Homo erectus erinnert bereits stark an den modernen Menschen. Er hatte ausgewachsen eine Größe von etwa 180 cm und war damit größer als der Homo habilis (145 cm). Er war von kräftiger Statur und hatte ein größeres Gehirn als der Homo habilis. Sein Gehirnvolumen betrug etwa 1200 ccm und hatte damit in etwa die gleiche Größe wie der heutige Mensch. Wenn der Homo erectus auch geschickter in der Werkzeugherstellung als der Homo habilis war, so kam auch er mehrere 100.000 Jahre nicht über die Steinwerkzeuge hinaus.

Er lernte es allerdings, das Feuer zu bezähmen, und konnte sich dadurch selbst in kälteren Klimazonen behaupten. In Israel hat man eine Feuerstelle entdeckt, die 790.000 Jahre alt sein soll. Ebenfalls besaß der Homo erectus eine sehr ausgeprägte Kultur des Waffenherstellung. Das belegen die sorgfältig angefertigten Holzspeere, die der Homo erectus zur Großwildjagd benutzte. Besonders in den Homo erectus Generationen, die etwa 500.000 bis 370.000 Jahre vor unserer Zeit lebten, wird von einer grundsätzlichen Fähigkeit zur Sprache ausgegangen. Aber trotz seiner fortgeschrittenen Entwicklung konnte sich der Homo erectus nicht durchsetzen und starb schließlich aus. [08][09][10]

Homo sapiens - Der weise Mensch     Top

Vor ca. 170 000 Jahren traten in Afrika und im nahen Osten die ersten modernen Menschen auf, die Homo sapiens sapiens. Sie werden auch als Cro-Magnon bezeichnet. 1868 hatte man zum ersten Mal Überreste des Homo sapiens in einem Höhlensystem in dem französischen Dorf Cro Magnon östlich von Bordeaux gefunden. In dem Höhlensystem fand man etwa ein halbes Dutzend Skelette des Homo sapiens, Steinwerkzeuge, geschnitzte Anhänger aus Elfenbein, Muscheln und geschnitzte Rentiergeweihe. Inzwischen wurden in Frankreich Hunderte Wohnstätten des Homo sapiens gefunden. Der Cro-Magnon unterschied sich anatomisch deutlich vom Neandertaler, den man 12 Jahre zuvor in einem Talabschnitt östlich von Düsseldorf entdeckt hatte. (Auf den Neandertaler wird weiter unten, bei der Besiedlung Europas, näher eingegangen.) Später stießen die Paläontologen auch im nahen Osten auf ältere Knochen des Homo sapiens. Die ältesten Funde des Homo sapiens machte man aber in Süd- und Ostafrika. Dort muss sich der neue Mensch, der Homo sapiens, herausgebildet haben.

Lange Zeit glaubte man, dass der Homo sapiens die einzig überlebende Art der Gattung Homo ist. Forscher der Wayne-Staatsuniversität in Detroit ordnen allerdings aufgrund der starken genetischen Ähnlichkeit, auch die Schimpansen der Gattung Homo zu. Manche Regionen in der Welt, waren schon vor über 2 Millionen Jahren vom Vorfahren des Homo sapiens bewohnt, nämlich vom Homo rudolfensis, Homo habilis, Homo ergaster, Australopithecus, Homo erectus, Homo heidelbergensis und der Homo neanderthalensis (siehe Bild 6). [11]

Stammbaum der Hominiden
Bild 6: Stammbaum des Hominiden II

Wie es scheint, gibt es noch immer große Wissenslücken über den menschlichen Stammbaum. Es scheint so zu sein, dass sich über einen Zeitraum von über mehreren 100.000 Jahren aus dem Homo ergaster allmählich der Homo sapiens entwickelte. Dies scheint aber eher durch eine kulturelle als durch eine biologische Evolution geschehen zu sein. Ein Vergleich der Gehirnvolumina scheint dies zu bestätigen. [12]

Vergleich der Gehirnvolumina

Bereich (cm2)2) Mittelwert (cm2)
Schimpansen

300-500  

----

Australopithecines

413-530  

----
Homo habilis

500-750  

----
Homo erectus

800-1250  

1000
Neandertaler

1300-1750  

1400
Homo sapiens

900-2300  

1345

Bemühte man sich in den vergangenen Jahrhunderten diese Wissenslücken durch die paläontologische Forschung zu schließen, indem man durch Ausgrabungen in geologischem Urgestein nach menschlichen Fossilien suchte, um diese anschließend zu untersuchen, so stellte heute die Gentechnik den Wissenschaftlern neue Forschungsmöglichkeiten zur Verfügung. Anhand der menschlichen Erbsubstanz und ihrer Veränderung im Laufe der Geschichte, ließen sich mit einer bisher nicht gekannten Präzision die frühgeschichtlichen Entwicklungen, Wanderungen und Verwandtschaften der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen rekonstruieren.

Die Besiedlung Europas     Top

Wanderung
Bild 7: Wanderungsbewegungen des Homo erectus und Homo sapiens

Der Homo heidelbergensis     Top

Bei der Besiedlung Europas spielen vor allem der Homo heidelbergensis, der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und der Homo sapiens (Cro-Magnon, zum Cro-Magnon kommen wir gleich noch), der als der heutige moderne Mensch angesehen wird, eine wichtige Rolle.

Die Hominiden der Neuzeit
Bild 8: Die Hominiden der Neuzeit

Homo heidelbergensis

Bild 9: Kiefer Homo heidelberg.

Am 21. Oktober 1907 wurde bei Grabungsarbeiten in einer Sandgrube in Mauer, einer kleineren Ortschaft bei Heidelberg, der Unterkiefer eines 600.000 Jahre alten Menschen gefunden (Bild links). Der Paläontologe und Dozent am Geologischen Institut der Universität Heidelberg, Otto Schoetensack, hatte jahrelang die Ausbeute der Sandgruben rund um Mauer beobachtet. Er hatte stets den Fund eiszeitlicher Fossilien in den Sandgruben vermutet, da der Neckar in der Eiszeit, neben Sand und Kies auch Fossilien mit sich führte, und darum die Arbeiter in den Sandgruben zu besonderer Aufmerksamkeit ermunterte. Obwohl man den Unterkiefer in einer Sandgrube in Mauer fand, benannte ihn Prof. Otto Schoetensack Homo heidelbergensis. [19]

Der Homo heidelbergensis lebte vor 600.000 bis 100.000 Jahren. Man bezeichnet ihn auch als archaischen Homo sapiens, eine Bezeichnung, die man allen Hominiden zuteil werden lässt, die morphologisch nicht mehr dem Homo erectus zuzuordnen sind. Der Homo heidelbergensis umfasst Merkmale, die sowohl beim Homo erectus als auch beim Homo sapiens zu finden sind. Manche Wissenschaftler sehen ihn als eine Unterart des Homo erectus und bezeichnen ihn als Homo erectus heidelbergensis. Andere Wissenschaftler ordnen ihn bereits dem Homo sapiens zu. Obwohl die ersten Fossilien des Homo heidelbergensis in Mauer bei Heidelberg gefunden wurden, wurde er nicht nur in Deutschland gefunden. Er ist aber eine primär europäische und afrikanische Spezie und wurde auch in Äthiopien, Frankreich, Griechenland, Sambia, Spanien und England gefunden. [20]

Der Homo heidelbergensis scheint aber offensichtlich im asiatischen Raum Verwandte zu haben. Mit seinem progressiven, an den Homo sapiens erinnernden Merkmalen (größeres Gehirnvolumen, Körpergröße, Ausbildung des Gebisses), wird der Homo heidelbergensis den Hominiden zugerechnet, die als Frühmenschen oder als aufgerichtete Affenmenschen bezeichnet werden. Zu diesen Frühmenschen zählen aber auch die auf Java ausgegrabenen Fossilien. Diese Frühmenschen erhielten bald den Namen: Pithecanthropus erectus. Sie hatten es geschafft, bis nach Eurasien vorzudringen, ostwärts bis nach China und westwärts bis an die iberische Halbinsel.

Der Homo heidelbergensis hatte eine Körpergröße von etwa 170 cm (Männer) bzw. 160 cm (Frauen), er hatte ein Gehirnvolumen von etwa 1200 ccm und ernährte sich vermutlich hauptsächlich von der Jagd. Mit seinem sorgfältig angefertigten 2,50 Meter langem Wurfspeer war er in der Lage, Großwild zu erlegen. Man vermutet beim Homo heidelbergensis auch Ansätze einer einfachen Sprache. Er war nicht nur in der Lage, Werkzeuge herzustellen, sondern verstand es auch die Kraft des Feuers zu nutzen. Kulturell ordnet man ihn der Altsteinzeit zu. [21]

Der Neandertaler     Top

Eiszeit

Bild 10: Vegetation in der Würm-Eiszeit

Der Neandert(h)aler lebte von 130.000 bis 30.000 vor Christus in der Altsteinzeit. Er stammt mit großer Wahrscheinlichkeit vom Homo heidelbergenis ab. Analysen zeigen eine hohe genetische Übereinstimmung beider Arten. Obwohl es Fossilfunde des Neandertalers in Europa, Asien und in Afrika gibt, wird der Neandertaler als typischer europäischer Hominide angesehen, der vor allem in der Würm-Eiszeit lebte. Die Würm-Eiszeit währte etwa von 115.000 bis 10.000 vor Christus. Klimaforscher machen Veränderungen der Erdbahngeometrie für wiederkehrende Kaltzeiten verantwortlich. Die Veränderung der Erdbahngeometrie wiederum wird durch wechselseitige Gravitationskräfte im System von Sonne, Erde und Mond hervorgerufen, was zur Veränderung der elliptischen Erdumlaufbahn um die Sonne führt. [22]

Unsere jetzige Warmzeit, das Holozän, dauert übrigens bereits seit etwa 11.500 Jahren an. Das ist nicht selbstverständlich: Andere Warmzeiten gingen bereits nach 7.000 Jahren zu Ende, manche allerdings auch erst nach 15.000 Jahren. Eiszeiten dagegen halten in der Regel wesentlich länger an, nämlich etwa 100.000 Jahre. [23]

Die Neandertaler waren Jäger und Sammler. Sie waren mit Fellen bekleidet, lebten in kleinen Gemeinschaften und ernährten sich von Beeren und Früchten, vorwiegend aber vom Fleisch erbeuteter Tiere. Den ersten Schädel des Neandertalers fand man 1856 in einem Steinbruch im Neandertal. Das Neandertal ist ein Talabschnitt östlich von Düsseldorf. Der Name Homo neanderthalensis geht auf den irischen Geologen William King zurück, der den Hominiden nach seiner Fundstätte benannte. Neben dem Namen Homo neanderthalensis ist auch der Name Homo sapiens neanderthalensis gebräuchlich, der die engere Verwandtschaft des Neandertalers mit dem Homo sapiens zum Ausdruck bringen soll. Lange Zeit lebten der Homo sapiens und der Neandertaler in Afrika nebeneinander her. DNA-Analysen sprechen aber gegen eine Vermischung beider Arten. Immer mehr verdichten sich die Hinweise, dass der Neandertaler nicht zu unseren unmittelbaren Urahnen zählt.

Die ersten Neandertaler traten in der letzten Zwischeneiszeit, also genau zwischen zwei Eiszeiten, vor etwa 130.000 Jahren auf. Während dieser etwa 10.000 Jahre andauernden Warmzeit breiteten sich große Laubwälder aus. Das Klima war wärmer und feuchter als heute und in den Wäldern lebten Waldelefanten, Dammhirsche, Auerochsen und Wildschweine. In den Grasfluren weideten Pferde, Wisente und Nashörner. Am Ende der Zwischeneiszeit aber wurde es wieder kälter. Die nächste Eiszeit begann. Allmählich bedeckten die von Norden und von den Alpen vordringenden Eismassen weite Teile Nord- und Mitteleuropas. In den eisfreien Gebieten herrschten arktische Temperaturen. [24]

Infolge dieser etwa 100.000 Jahre andauernden Eiszeit wanderten immer mehr Tiere in wärmere südlichere Regionen aus. Die Wälder verschwanden allmählich und wichen einer Tundra, einer baumlosen, arktischen Steppe, in der nur noch niedere Gräser wuchsen. Dies könnte ein Grund dafür sein, warum immer mehr der sesshaft lebenden Neandertaler, die sich sehr an ihre Umgebung angepasst hatten, und ihre Beutetiere nur in einem festen Territorium jagten,  allmählich verhungerten und erfroren, und am Ende sogar vollkommen ausstarben. Ein weiterer Grund für das Aussterben des Neandertalers, könnte das Vordringen des Homo sapiens gewesen sein, der zur gleichen Zeit wie der Neandertaler lebte. Obwohl sich ihre Wege immer wieder gekreuzt haben müssen, gab es offensichtlich keine Vermischung beiden Arten. Manche Wissenschaftler vermuten allerdings, dass rote Haare und Sommersprossen eine genetische Vererbung der Neandertaler sein könnten. Der Homo sapiens lebte nicht in einem festen Territorium, sondern folgte als Nomade den Wildherden auf ihrer Wanderschaft. Dadurch war er ausdauernder und geschickter als der Neandertaler. [28]

Heute gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass die Neandertaler nicht deshalb ausgestorben ist, weil sie dem Homo sapiens intellektuell unterlegen waren. In Punkto Intelligenz konnten sie wahrscheinlich sogar mit dem Homo sapiens mithalten. Im Punkto Körperkraft waren sie ihm sogar überlegen. Für das Aussterben des Neandertalers könnten auch vom Homo sapiens eingeschleppte Krankheitserreger verantwortlich gewesen sein, wie dies später auch bei der Kolonialisierung der Europäer im asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Raum der Fall gewesen ist. Ein weiterer Grund für das Aussterben der Neandertaler könnte darin liegen, dass der Homo sapiens fruchtbarer war und mehr Nachkommen zeugte. Statistische Bevölkerungsmodelle zeigen nämlich, dass schon eine leicht erhöhte Zuwachsrate, im Laufe einiger Tausend Jahre dazu führen kann, dass eine zweite Art allmählich ausstirbt. Die Neandertaler sind ja auch dafür bekannt, dass sie, weil sie nur in kleinen Gruppen lebten, immer wieder Probleme hatten paarungsfähige Frauen zu finden. Dadurch war der Fortbestand der Kleingruppe immer wieder  bedroht und die Neandertaler gingen dazu über, sich Frauen aus einer benachbarten Gruppe zu rauben.

Die Besiedlung Asiens und Australiens     Top

Wie die Fossilienfunde beweisen, lebten unsere Vorfahren bis vor etwa 2 Millionen Jahren ausschließlich in Afrika. Der erste Mensch von dem man Fossilien außerhalb des afrikanischen Kontinents fand, war der Homo erectus. Er war der erste, der sich vor 2 Millionen Jahren aufmachte, die Erde zu erobern. Vermutlich drang Homo erectus während der Eiszeit bis nach Südasien vor, als die indonesische Inselwelt noch Teil des Festlandes war. Die ersten Fossilien von Homo erectus fand man 1991 auf der heutigen Insel Java.

Wie man aus den gefundenen Steinwerkzeugen ersehen kann, hatte bereits Homo erectus Indonesien und Australien besiedelt. Auch in China fand man Steinwerkzeuge, die man dem Homo erectus zuordnete. Auf der indonesischen Insel Flores fand man 800.000 bis 880.000 Jahre alte Steinwerkzeuge. Daraus folgerte man, dass der Homo erectus bereits ein erfahrener Seefahren gewesen sein muß. Demzufolge war der Homo erectus vielleicht gar nicht so unintelligent, wie man ihn für gewöhnlich hielt. Der Homo erectus soll Java (und wahrscheinlich auch Bali) sogar schon vor etwa 1 Mill. bis 1,8 Mill. Jahren besiedelt haben. [13]

Bisher hieß es, der Homo erectus sei nicht in der Lage gewesen, den Timorsee zwischen Indonesien und Australien, der immer mit Wasser bedeckt war, zu überwinden. Erst Homo sapiens sei in der Lage gewesen, seetüchtige Boote herzustellen, um die 35 Kilometer breite Wasserstraße zu überqueren.

Aber 1998 hat ein Expeditionsteam mit einem hochseetüchtigen Floß von der indonesischen Insel Timor aus versucht, Australien zu erreichen. Das Floß war aus Lagen von Bambusstämmen und Querhölzern, zusammengehalten nur von Pflanzenfasern. Floß und Ausrüstung erfüllten authentische Steinzeit-Bedingungen. Die Besatzung wollte beweisen, dass es bereits vor 60.000 Jahren möglich war, von Indonesien aus Australien per Floß zu erreichen. Nach 13 Tagen gelang dem fünfköpfigem Expeditionsteam das Vorhaben, den 2.500 Meter tiefen Timorsee zu überqueren und Australien zu erreichen.

Das wichtigste Zeugnis für die altsteinzeitliche Besiedlung Australiens, ist ein etwa 60.000 Jahre altes Männerskelett, das am Lake Mungo im Südosten Australiens gefunden wurde. Wissenschaftler von der australischen University of New England gehen davon aus, dass bereits der Homo erectus zu dieser Leistung fähig war. Wie Werkzeugfunde beweisen, ist der Homo erectus bereits vor 1,5 Millionen Jahren bis nach Asien vorgedrungen.

Der Homo erectus, davon sind einige Forscher mittlerweile überzeugt, muss nicht nur über planerische und technische Fähigkeiten zum Floßbau verfügt haben, sondern auch über ein entwickeltes Sprachvermögen, mithin über ein weit höheres intellektuelles Vermögen, als man Homo erectus bisher zugestanden hat. [14]

Die Besiedlung Amerikas     Top

Wie es scheint, haben klimatische Veränderungen in Afrika, die dazu führten, dass die Urwälder immer mehr schrumpften und die Nahrungsressourcen immer knapper wurden, zu einem immer härter werdenden Überlebungskampf geführt, der schon den Homo erectus dazu veranlasste, sich nach  neuen Lebensräumen umzuschauen. Dabei waren es offensichtlich nur einige wenige, ein paar hundert Menschen vielleicht, die ihre Heimat verließen, um den Siegeszug um die Erde anzutreten. Dieses brachte über einen längeren Zeitraum gesehen, eine Vergrößerung des Gehirns mit sich. Vielleicht waren es die Klügsten und Kühnsten, die vor etwa 100.000 Jahren bereit waren, alles hinter sich zu lassen, um neue Herausforderungen anzunehmen. Vielleicht waren sie aber auch nur hungrig und folgten den Wildherden, die durch die Savannen zogen.

In den vergangenen 200.000 Jahren hatte es mehrere Eiszeiten gegeben. Als sich z.B. vor etwa 20.000 Jahren infolge der größten Vereisung, der Meeresspiegel um 135 Meter gesenkt hatte, konnte Amerika über die Behringstraße trockenen Fußes erreicht werden. Um nach Australien zu gelangen, mussten unsere Vorfahren allerdings den 100 Kilometer breiten Timorsee überwinden. Über die Behringstraße wanderten aber nicht nur unsere Vorfahren nach Nordamerika ein, sondern ebenso das Mammut, das Bison, der Elch, der Bär und viele andere Tierarten. Die ältesten menschlichen Fossilien in Amerika  sind etwa 26.000 Jahre alt.

Aber die ersten Siedler Amerikas scheinen nicht besonders erfolgreich gewesen zu sein. Jedenfalls hat man bisher kaum menschliche Überreste aus dieser Zeit gefunden. Erfolgreicher scheinen da indianische Großwildjäger gewesen zu sei, die vor etwa 15.000 Jahren in Amerika einwanderten. In etwa 15.000 Jahren hatten ihre Nachkommen die 15.000 Kilometer bis nach Feuerland in Südamerika zurückgelegt. Aber schon lange bevor sie Feuerland erreichten, hatten andere Homo sapiens Australien erreicht [15]

Bisher gingen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass die ersten Siedler Nordamerikas vor etwa 11.000 bis 13.000 Jahren über die Behringstraße kamen. Nun aber fanden britische Wissenschaftler 40.000 Jahre alte menschliche Fußabdrücke in Mexiko. Darum stellte man sich die Frage, ob die ersten Siedler Nord- bzw. Mittelamerikas vielleicht doch nicht über die Behringstraße kamen, sondern mit dem Schiff über den Wasserweg. Neueste Funde deuten sogar darauf hin, dass die ersten Menschen schon vor etwa 50.000 Jahren Nordamerika besiedelten. Über die Besiedlung Amerikas gibt es unterschiedliche Theorien, die hier aber nicht weiter erläutert werden sollen. ihr könnt sie bei wikipedia.org nachlesen. [16][17][18]

Multi Regional oder Out of Afrika?     Top

Unter den Anthropologen gibt es im wesentlichen zwei Theorien für die weltweite Verbreitung unserer Vorfahren. Die eine Theorie nennt sich "Multi Regionales Modell". Diese Theorie geht davon aus, dass sich weltweit gleichzeitig unterschiedliche Populationen entwickelt haben. Die andere Theorie nennt sich "Out of Afrika". Nach dieser Theorie steht die Wiege der Menschheit in Afrika. Von Afrika aus sollen sich dann unsere Vorfahren weltweit ausgebreitet haben. Ich möchte diese beiden Theorien einmal etwas näher betrachten.

Nach der Theorie des multiregionalen Modells entwickelten sich die Vorfahren der heutigen Menschheit in vielen Teilen der Welt gleichzeitig. Das multiregionale Modell geht also von einer vollkommen dezentralen Entwicklung der Menschheit aus. Man geht weiter davon aus, dass die vielen Unterarten des Homo erectus, die man weltweit gefunden hat, wie z.B. der Homo heidelbergensis (Heidelberg), der Homo ergaster (Ostafrika, einzelne Funde auch aus Südafrika, Äthiopien und Georgien), der Homo antecessor (Spanien), der Homo erectus pekinensis (China) und der Homo Pithecanthropus erectus (Indonesien) sich regional entwickelten.

Dadurch seien auch die unterschiedlichen anatomischen Merkmale zu erklären, wie zum Beispiel die größeren Nasen bei den Europäern und die "Schlitzaugen" bei den Chinesen. Die große genetische Ähnlichkeit der unterschiedlichen Rassen, erklärt das multiregionale Modell durch gelegentliche Kreuzungen zwischen benachbarten Gruppen.

Nach der Out of Afrika-Theorie begann der Homo erectus vor etwa 1,7 Millionen Jahren von Afrika aus die Erde zu besiedeln. Darum ist der Homo erectus und in noch viel stärkerem Maße natürlich der Homo sapiens, nicht nur die Vorfahren aller europäischen, asiatischen, australischen und amerikanischen Völker, sondern aller Völker der Welt. Ein Blick in unser Erbgut zeigt, dass wir keine Gene der Neandertaler in uns tragen. (Ausnahme: rote Haare und Sommersprossen?) Mit aller größter Wahrscheinlichkeit stammt die heutige Menschheit von dem sich vor etwa 100.000 Jahren aus Ostafrika sich ausbreitenden Homo sapiens ab.

Tatsächlich soll es vor etwa 70.000 Jahren am Horn von Afrika, das ist der keilförmige Teil Ostafrikas, zu einer dramatischen Klimaveränderung gekommen sein, der den Fischbestand des Roten Meeres stark reduzierte. Deshalb machten sich die Menschen auf den Weg, um neue Fischgründe zu suchen. Steht die Wiege der Menschheit also in Somalia, in Äthiopien in Dschibuti und Eritrea? Und gerade dieses Horn von Afrika ist schon seit längerem dabei, sich von Afrika abzuspalten und wird vermutlich in einigen Tausend Jahren als Insel im indischen Ozean sein Dasein fristen.

Das Out of Afrika-Modell geht davon aus, dass die regionalen Unterschiede der verschiedenen Arten sich erst in den letzten 100.000 Jahren herausgebildet hat. Das multiregionale Modell dagegen ist davon überzeugt, dass sich die unterschiedlichen geographischen Unterschiede sich erst im Laufe von 1 Millionen Jahre entwickelt haben. Inzwischen gehen allerdings die meisten Anthropologen durch die Analyse des menschlichem Genmaterial davon aus, dass die Out of Afrika-Theorie richtig ist. Die ältesten Homo sapiens Funde soll man übrigens in Äthiopien gefunden haben. Sie sollen ein Beleg für die Out of Afrika-Theorie sein. [25][26]

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pierolapithecus

Bild 11: Pierolapithecus catalaunicus

Spanische Forscher haben offenbar in Barcelona das bisher  fehlende evolutionäre Glied in der Kette zwischen Affe und Mensch gefunden und damit womöglich den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe entdeckt, oder zumindest einen nahen Verwandten unserer gemeinsamen Vorfahren. In Barcelona hat ein Forscherteam 83 Knochenteile eines 13 Millionen Jahre alten Lebewesens ausgegraben, welches dem heutigen Menschen ähnlicher ist, als heute lebende Affen.

Es soll sich dabei um ein etwa 35 kg schweres Männchen handeln, dessen Körperbau auf einen flinken und geschickten Kletterer hindeutet, dessen Gang aber weitauf aufrechter, als der eines Schimpansen zu sein scheint.

Vor etwa 11 bis 16 Millionen Jahren soll es zur Trennung zweier Entwicklungslinien gekommen sein. Zur ersten Entwicklungslinie zählen die Menschen und die Menschenaffen. Dazu gehören auch die Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen. Zur zweiten Entwicklungslinie zählen die niederen Affen, wie die Gibbons. Die Knochen, die man in Barcelona gefunden hat, könnten zu einem der ersten Menschenaffen gehören. Nach seinem Fundort in Katalonien, benannte man ihn: Pierolapithecus catalaunicus.

Von einem Missing Link wollen die Wissenschaftler aber noch nicht sprechen. Dafür sei der Begriff zu überstrapaziert. Man geht aber davon aus, dass es sich um einen sehr engen Verwandten unseres Urahns handelt. Dieses müsse aber nicht bedeuten, dass dies unser einzig möglicher Vorfahre sei. Der Fund ist aber auch noch unter anderen Aspekten hochinteressant. Sollte der gefundene Menschenaffe wirklich unser Vorfahre sein, so würde das die "Out of Afrika-These" ins Wanken bringen, demzufolge sich die Entwicklung der Menschheit, sich bis vor etwa 2 Millionen Jahren sich im wesentlichen in Afrika abgespielt haben soll. [27]

Quellenangaben:

[01] Interview mit Jan van Helsing 2003
[02] Jan van Helsing: Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert
[03] wdr.de: Das Geheimnis des aufrechten Ganges
[04] wikipedia.org: Übergangsformen in der Evolutionsbiologie
[05] wikipedia.org: Fehlendes Glied
[06] wissenschaft-online.de: Die Australipithecinen
[07] wikipedia.org: Missing Link
[08] wissenschaft.de: 790.000 Jahre alte feuerstelle in Israel entdeckt
[09] wikipedia.org: Homo erectus
[10] geoscience online: Die Evolution der Menschheitsgeschichte
[11] wissenschaft.de: Schimpansen gehören zur Gattung Homo
[12] schule.de: Die Evolution des Menschen
[13] wort-und-wissen.de: Homo erectus ein Seefahrer
[14] wissenschaft.de: Bereits Homo erectus hat Indonesien und Australien besiedelt
[15] Hans-Peter Willig: Die Besiedlung des Planeten
[16] wissenschaft.de: 40.000 Jahre alte Abdrücke von menschlichen Füßen in Mexiko entdeckt
[17] wissenschaft.de: Wurde Amerika schon vor 50.000 Jahren besiedelt?
[18] wikipedia.org: Die Besiedlung Amerikas
[19] gemeinde-mauer.de: Die Fundgeschichte des Unterkiefers des Homo heidelbergensis
[20] wikipedia.org: Der Homo heidelbergensis
[21] homoheidelbergensis.de: Der Urmenschenfund von Mauer im Jahre 1907
[22] wikipedia.org: Die Eiszeit
[23] uni-protokolle.de: Mainzer Forscher zur letzten großen Warmzeit
[24] landesmuseum.de: Wie lebten die Neandertaler
[25] heise.de: Out of Afrika
[26] wissenschaft.de: Bislang älteste Homo sapiens Überreste in Äthiopien gefunden
[27] Spiegel.de: Forscher könnten Missing Link gefunden haben. - 19.11.2004
[28] wissenschaft.de: Rothaarige haben möglicherweise ein Gen vom Neandertaler

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