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Die SPD und der erste Weltkrieg Top Noch im Juli 1914 organisierte die SPD große Antikriegsdemonstrationen. So rief z.B. Rosa Luxemburg, die Wortführerin der Parteilinken, im Namen der gesamten SPD (Rosa Luxemburg war damals noch Mitglied der SPD) zu Kriegs- und Gehorsamsverweigerung auf. Die Reichsregierung wollte deshalb die SPD-Führung sofort nach Kriegsbeginn verhaften. 1912 erhielt die SPD bei den Reichstagswahlen mit 34,8 Prozent die meisten Wählerstimmen und bildete zusammen mit der katholischen Zentrumspartei und der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) eine Koalition. Zusammen verfügte der Dreierbund über mehr als drei Viertel der Mandate. Als jedoch am 1. August 1914 die deutsche Kriegserklärung an das zaristische Russland erfolgte, ließ sich die SPD-Mehrheit von der allgemeinen Kriegsbegeisterung anstecken. Viele SPD-Abgeordnete fürchteten den Verlust von Wählerstimmen und von Einfluss im Reichstag sowie ein erneutes Parteiverbot (Sozialistengesetze), falls sie sich ihrer "patriotischen Pflicht“ entzögen. Rosa Luxemburg erlebte diesen Umfall als persönliche Katastrophe und dachte kurze Zeit sogar an Selbstmord. Parteiführung und Reichtagsfraktion der SPD waren in ihrer Haltung zum Krieg gespalten: Mit Friedrich Ebert (SPD) bejahten 96 Abgeordnete die Kriegskredite an die Reichsregierung. Mit dem zweiten Vorsitzenden der SPD Hugo Haase waren 14 Parlamentarier dagegen, stimmten aber wegen der Fraktionsdisziplin dennoch dafür. So bewilligte die gesamte SPD-Fraktion am 4. August 1914 die Kriegskredite, sagte dem Kaiser für die Kriegsdauer einen Streik- und Lohnverzicht der Gewerkschaften zu und ermöglichte so die volle Mobilisierung des deutschen Heeres. Der zweite SPD-Vorsitzende Hugo Haase begründete den Beschluss, der gegen seinen Willen gefasst worden war, im Reichstag mit den Worten: "Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich!“ Der Kaiser begrüßte den so genannten Burgfrieden der deutschen Innenpolitik am Ende seiner Thronrede mit dem berühmt gewordenen Satz: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“ Selbst Karl Liebknecht, der später zur Symbolfigur der entschiedenen Kriegsgegner wurde, beugte sich anfangs der Parteiräson: Er blieb am 4. August 1914 der Abstimmung fern, um nicht gegen die eigene Fraktion stimmen zu müssen. Am 5. August 1914 gründete er jedoch mit Rosa Luxemburg, Franz Mehring und anderen Parteilinken die "Gruppe Internationale", die an den Vorkriegsbeschlüssen der SPD festhielt. Diese "Gruppe Internationale" bestand neben Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zuerst nur aus sieben weiteren enttäuschten Mitgliedern der SPD. Karl Liebknecht im Dezember 1914 und Otto Rühle im Januar 1915 waren die ersten SPD-Abgeordneten, die ihre Zustimmung zu weiteren Kriegskrediten verweigerten. Anfang 1916 waren es 20 Abgeordnete. Im Frühjahr 1917 führte die wachsende Opposition innerhalb der SPD gegen die "Burgfriedenspolitik" und weitere Bewilligung der Kriegskredite schließlich zum Parteiausschluss der Kriegsgegner. Diese reagierten darauf am 9. April 1917 mit der Gründung der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Aus der Gruppe Internationale, die von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg u.a. 1914 gegründet wurden, ging am 1. Januar 1916 der reichsweite Spartakusbund hervor. Nun trat die Spartakusgruppe, die seit Januar 1916 reichsweit organisiert war, in die USPD ein und bildete dort den revolutionären Flügel. Seit Anfang Dezember trat Rosa Luxemburg offen für die Errichtung einer Räterepublik ein, um so die Unterordnung des Militärs unter die Politik zu erreichen. Als sich zeigte, dass der Übergangsregent Friedrich Ebert diese Ziele aktiv hintertrieb, beschloss der Spartakusbund die Einberufung eines Reichskongresses, der vom 29. bis 31. Dezember 1918 in Berlin stattfand. Dort gründeten die Mitglieder am 1. Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Am 2. Dezember 1914 stimmte Liebknecht – anfangs als einziger Reichstagsabgeordneter – gegen weitere Kriegskredite und riskierte damit sein Leben. Denn er wurde daraufhin, auf Betreiben der Parteiführung, trotz seiner politischen Immunität als einziger Reichtagsabgeordneter zum Militär eingezogen. Wegen seiner Versuche, die Kriegsgegner zu organisieren, wurde er aus der SPD ausgeschlossen und im Juni 1916 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Auch Rosa Luxemburg wurde nach vorübergehender Freilassung bis zum Kriegsende inhaftiert. Quellen: Die SPD und die Ermordung von Liebknecht und Rosa Luxemburg Top Am 6. Januar 1919 führte die Entlassung des Berliner Polizeipräsidenten, dem USPD-Mitglied (einer linken Abspaltung der SPD) Emil Eichhorn, der sich in der Weihnachtskrise 1918 geweigert hatte, gegen demonstrierende Arbeiter vorzugehen, zu einer Massendemonstration, an der Hunderttausende Menschen teilnahmen. Die Demonstranten setzten sich größtenteils aus SPD-Mitgliedern zusammen. Sie wurden aber auch von den verschiedenen Gruppen links von der SPD unterstützt. Dabei bildeten die KPD-Anhänger nur eine Minderheit. Die Initiatoren der Demonstration versammelten sich im Berliner Polizeipräsidium und bildeten einen "Provisorischen Revolutionsausschuss". Karl Liebknecht forderte den Sturz der Regierung und rief zum bewaffneten Kampf auf. Rosa Luxemburg sprach sich im Gegensatz zu Karl Liebknecht gegen den bewaffneten Kampf aus. Rosa Luxemburg organisierte bereits 1913 Demonstrationen, als die Balkankrise fast schon den 1. Weltkrieg auslöste. In Frankfurt am Main rief sie eine Menge von Hunderttausenden zu Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung auf. Daher wurde sie der "Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und Anordnungen der Obrigkeit" angeklagt und 1914 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Rosa Luxemburg musste 1915 ihre Haftstrafe in Berlin antreten. Als sie ein Jahr später entlassen wurde, wurde sie schon drei Monate später wieder, dieses Mal zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juli 1916 begann ihre „Sicherheitsverwahrung“ (Inhaftierung, die stets verlängert werden kann). Sie wurde zweimal verlegt, zuerst nach Posen, dann nach Breslau. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sind übrigens beide ehemalige SPD-Mitglieder, die sich gegen die Kriegssteuer aussprachen und versuchten, die entschiedenen Kriegsgegner in der SPD reichsweit zu organisieren. 1916 stimmten bereits 20 SPD-Abgeordnete gegen weitere Kriegskredite. Daraufhin schloss die SPD-Reichstagsfraktion die Kriegsgegner, darunter Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, am 12. Januar 1916 aus der SPD aus. Karl Liebknecht wurde zusätzlich wegen seiner antimilitaristischen politischen Arbeit im März 1915 an die Front einberufen, obwohl er eigentlich als Reichtagsabgeordneter Immunität genoss. Am 1. Mai 1916 trat Liebknecht als Führer einer Antikriegsdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin auf, wurde verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Er wurde im Juni 1916 inhaftiert und am 23. August 1916 zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt. Am 23. Oktober 1918 wurde er im Zuge einer allgemeinen Amnestie begnadigt. Die Demonstrationen in Berlin nahm der regierende SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert zum Anlass, die in Berlin stationierten regierungstreuen Truppen gegen die Demonstranten einzusetzen. Vom 9. Januar 1919 an schlugen sie deren improvisierten Aufstandsversuch gewaltsam nieder. Am 12. Januar 1919 rückten zudem republikfeindliche nationalistische (rechtsradikale) Freikorps in die Stadt ein, die seit Anfang Dezember aufgestellt worden waren. Den Oberbefehl über diese Truppen hatte Gustav Noske. Damit hatte die regierende SPD-Führung eine Revolution, die überwiegend von SPD-Mitgliedern getragen wurde, gewaltsam beendet. Friedrich Ebert, der SPD-Vorsitzende, liebäugelte schon immer mit den konservativen bürgerliche Parteien und den alten kaiserliche Eliten. Im wesentlichen ging es ihm um die Machterhaltung. Die SPD-Führung sah nur die Räte, nicht aber die alten kaiserlichen Eliten und das Militär als Gefahr, die sich insgeheim schon lange gegen jede demokratische Bestrebung ausgesprochen hatten. Gustav Noske war SPD-Mitglied und Reichswehrminister. Er zeigte nicht nur ein außerordentlich geduldiges Verständnis für die machtorientierten Militärs, sondern war blind gegenüber den reaktionären Bestrebungen der extremen politischen Rechten, die bei den kaiserlichen Offizieren viele Sympathien besaß. Er teilt ihren Antibolschewismus und ließ den von der Reichswehr unterstützten rechtsradikalen Freikorps weitgehend freie Hand bei ihrem harten Vorgehen anlässlich von Streiks und sozialen Unruhen. Am Abend des 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in einer Wilmersdorfer Wohnung entdeckt, verhaftet und an das größte Freikorps, die schwer bewaffnete „Garde-Kavallerie-Schützendivision“ übergeben. Deren Anführer, der Hauptmann Waldemar Pabst, ließ sie verhören und schwer misshandeln. Noch in derselben Nacht wurden beide Gefangenen mit Gewehrkolben bewusstlos geschlagen und dann durch Schüsse in die Schläfen ermordet. Rosa Luxemburgs Leiche wurde in den Berliner Landwehrkanal geworfen, wo sie erst 5 1/2 Monate später, am 1. Juni entdeckt wurde. Pabst sagte in den 60er Jahren aus, er habe vor dem Mord mit Reichswehrminister Gustav Noske in der Reichskanzlei telefoniert, der seine Zustimmung dazu gegeben habe. Dabei sei auch der SPD-Vorsitzende und Reichskanzler Friedrich Ebert anwesend gewesen. Dies bestätigt auch ein Tagebucheintrag, der 1970 in Pabsts Nachlass gefunden wurde. Somit geht die Ermordung von Karl Liebknecht, der zuvor von Friedrich Ebert noch den Posten eines Ministers angeboten bekam, und von Rosa Luxemburg, auf das Konto der SPD. Friedrich Ebert hatte die regierungsfreundlichen und rechtsradikalen Freikorps gegen die demonstrierenden Arbeiter eingesetzt und so wie es aussieht, zusammen mit Gustav Noske der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zugestimmt. Quelle: Das Dreiklassenwahlrecht von 1849 Top Das Dreiklassenwahlrecht ist ein Klassenwahlrecht, das 1849 von Friedrich Wilhelm IV., dem König von Preußen, zur Wahl des preußischen Landtags eingeführt wurde und bis 1918 in Kraft blieb. Dieses Wahlrecht galt für Preußen, Braunschweig, Waldeck und Sachsen (hier bis 1909). Die Wähler wurden dabei nach ihrem direkten Steueraufkommen in drei Klassen eingeteilt und mussten das 24. Lebensjahr vollendet haben. Es durften nur Männer wählen. Die drei Klassen errechneten sich aus der direkten Steuerleistung, so dass diese jeweils ein Drittel des Steueraufkommens ausmachten. Die erste Klasse umfasste die Höchstbesteuerten, die zweite, die mit weniger hohem Einkommen und der dritten Klasse gehörten diejenigen an, welche wenig oder gar keine Steuern zu zahlen hatten. Die Wähler wählten so genannte Wahlmänner, so dass jede Klasse ein Drittel der Wahlmänner stellte. 1849 machte die erste Klasse 4,7% der Gesamtbevölkerung aus, die zweite Klasse 12,7% und die dritte Klasse 82,6%. Aber jede Klasse bekam ein Drittel der Sitze im Landtag. Laut dieser Verteilung hatte also ein Wähler der ersten Klasse das 17,5-fache Gewicht an Stimmen gegenüber einem Wähler der dritten Klasse. Ein Dreiklassenwahlrecht galt auch bei Kommunalwahlen in Teilen Preußens, was u.a. dazu führte, dass Alfred Krupp in Essen allein die Abgeordneten der ersten Abteilung wählen konnte. (Als Ergebnis des Wiener Kongresses von 1815 waren die Rheinprovinz und Westfalen in den Herrschaftsbereich Preußens einbezogen worden.) Zwischen 1867 und 1912 war das Wahlrecht allein der männlichen Bevölkerung des "Norddeutschen Bundes" (fast alle deutschen Länder nördlich der Mainlinie) bzw. des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelung waren kaum mehr als 20% der Bevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Land Preußen. Erstmals 1919, mit der Gründung der Weimarer Republik, nahm auch die weibliche Bevölkerung an den Wahlen teil. Das Wahlalter wurde auf 20 Jahre herabgesetzt. Das Mehrheitswahlrecht von 1912 Noch eine Kuriosität zum Mehrheitswahlrecht der Reichstagswahl von 1912. Zweitstärkste Fraktion bei der Reichstagswahl wurde das Zentrum, das 91 Abgeordnete stellte, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Die SPD stellte die stärkste Fraktion mit 110 Abgeordneten. Quelle: Anmerkungen zum Versailler Vertrag Top Im Gegensatz zum zweiten Weltkrieg, bei dem Deutschland Russland unterlag, besiegte Deutschland Russland im ersten Weltkrieg. Im März 1918 stimmte die Sowjetregierung dem von Leo Trotzki ausgehandelten Frieden von Brest-Litowsk mit Deutschland zu. Er erlegte Russland sehr viel härtere Friedensbedingungen auf, als der spätere Versailler Vertrag dem Deutschen Reich. Nach dem Verlust des Ersten Weltkrieges aber hörte man Deutschland sehr unter dem Versailler Vertrag stöhnen. Die Reparationen, die besonders Frankreich von Deutschland forderte, waren alles andere als human. Da Deutschland aber Russland mit einem sehr viel härteren Friedensvertrag überzogen hatte, als Frankreich dies mit Deutschland tat, halte ich es ein wenig für unehrlich, wenn Deutschland sich derartig über den Versailler Vertrag empört. siehe: Novemberrevolution Fürst Metternich
Top Der österreichische Diplomat und Staatskanzler Fürst Klemens Wenzel von Metternich war einer der bedeutendsten Verfechter der politischen Restauration. Die Restauration unterdrückte alle fortschrittlichen, sozialen, nationalen und bürgerlichen Kräfte und war bemüht, die Herrschaft des Adels und ihrer Privilegien, so wie sie vor der französischen Revolution von 1789 bestanden hatten, wieder herzustellen. Als Gegner der Demokratie und des Liberalismus errichtete Fürst Metternich einen Polizeistaat, zu dem Zensur und Spitzelwesen gehörten (das sog. Metternichsche System). Am 28. Juni und
5. Juli 1832 fasste der Bundestag mehrere von Metternich diktierte
Beschlüsse, wonach der Bund sich das Recht vorbehielt, gegen
revolutionäre Bewegungen unaufgefordert mit bewaffneter Hand
einzuschreiten. Alle Vereinigungen politischen Charakters und alle
Volksversammlungen wurden verboten und die existierenden liberalen
Zeitungen unterdrückt. Den Handwerksgesellen wurde das Wandern in die
Schweiz, nach Frankreich und Belgien verboten, damit sie nicht vom
Liberalismus angesteckt würden. Meyers
Konversationslexikon Bei meinem Streifzug durch die Geschichte bin ich auch auf Bismarck gestoßen. Da Bismarck besonders von konservativen Kreisen immer wieder so hochgelobt wird, habe ich mich ein wenig auf die Suche gemacht, um eine wenig mehr über Bismarck zu erfahren. Dabei ergab sich für mich folgendes Bild: Bismarck war nichts anderes, als ein sehr konservativer Politiker, der sich nicht nur durch die Sozialistengesetze auszeichnete, sondern der die Sozialdemokraten am liebsten alle aus dem Land gejagt hätte. Und die angeblichen sozialen Errungenschaften, die man gemeinhin Bismarck zuschreibt, sind nur dadurch zustande gekommen, weil er den Sozialdemokraten zuvorkommen wollte. Von selber hätte Bismarck bestimmt nichts in dieser Richtung unternommen. Wenn's nach Bismarck gegangen wäre, hätte er am liebsten alle demokratischen Bestrebungen gewaltsam unterdrückt. Bismarck hatte nicht nur durch sein provokantes politisches Handeln den deutsch-französischen Krieg von 1871 herausprovoziert, sondern auch am 18. Januar 1871, nach dem Sieg über die Franzosen, den deutschen Kaiser Wilhelm I. auf sein Betreiben im Spiegelsaal des französischen Schlosses zu Versailles zum Kaiser der Franzosen proklamiert. Die Proklamation Wilhelms I. stellte eine große Demütigung für das französische Volk dar, sie war eine Demonstration der absoluten Überlegenheit Deutschlands und somit eine nicht unerhebliche politische Entscheidung, die die deutsch-französische Feindschaft weiter anheizte, die schließlich zum ersten Weltkrieg führte. Außerdem nahm Bismarck die am 11. Mai und am 2. Juni 1878 verübten Attentate auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass für das Sozialistengesetz, wobei er wahrheitswidrig verbreiten ließ, der Attentäter sei Sozialdemokrat gewesen, obwohl dieser ein Gegner der Sozialdemokraten war. Die Sozialistengesetze wurden von 1878 bis 1890 angewendet. Bismarck nutzte das Attentat auf den Kaiser dazu, den Reichstag aufzulösen und einen "Vernichtungsfeldzug" gegen die Sozialdemokraten zu inszenieren, denen er geistige Mittäterschaft vorwarf. Auf Grund des Sozialistengesetzes konnten Organisationen, Druckschriften und Versammlungen der Sozialdemokraten verboten werden. Allerdings konnten weiterhin Einzelpersonen bei Wahlen für die Sozialdemokratie kandidieren, so dass die Fraktionen des Reichstages bzw. der Landtage sich legal betätigen konnten. Nach § 28 des Sozialistengesetzes wurden insgesamt 797 Sozialdemokraten als "Agitatoren" aus Orten ausgewiesen. Bereits 1888 war Bismarck mit einer Gesetzesvorlage gescheitert, der zufolge Sozialdemokraten förmlich als Deutsche ausgebürgert hätten werden können, weil die Sozialdemokraten die skrupellosen Praktiken der politischen Polizei im Reichstag enthüllten. Das Sozialistengesetz bekämpfte die Sozialdemokraten als "Reichsfeinde" und erschwerte nachhaltig die Integration von Arbeitern und Sozialdemokratie in Staat und Gesellschaft. Die faktische politische Ausbürgerung der sozialdemokratischen Opposition ging mit einer sozialen Ausbürgerung einher, derzufolge Sozialdemokraten materiell entrechtet und am Arbeitsplatz verfolgt wurden. Die "Peitsche" des Sozialistengesetzes ergänzte er durch das "Zuckerbrot" sozialer Reformen. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 1881–1889 weitreichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte. Diese Sozialversicherungen, die heute die Säulen der sozialen Sicherung darstellen, war bis dato weltweit einzigartig. Bismarck war somit maßgeblicher Wegbereiter des Sozialstaats, auch wenn er selbst die Maßnahmen eher aufgrund politischen Kalküls traf. Eigentlich sollten die Sozialgesetze nämlich die Sozialdemokratie schwächen. Das Ziel des Sozialistengesetzes, die Reduzierung der Stimmen für die Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen, wurde jedoch nicht erreicht, im Gegenteil: Erhielten die Sozialdemokraten 1881 noch 311.961 Stimmen, waren es 1884 bereits 549.990, 1887 763.128 Stimmen, 1890 sogar 1.427.000 Stimmen. Seitdem war die Sozialdemokratie ein ernstzunehmender Machtfaktor. 1912 schließlich wurde die SPD gar stärkste Partei im Reichstag.
Ab 1884 kooperierte Bismarck besonders mit den parlamentarischen Parteien, die seine Kolonialpolitik unterstützten. Dazu zählten besonders die Nationalliberalen, die für einen radikal-rassistischen Siedlungskolonialismus eintraten. Die Kongokonferenz am 15. November stand unter dem Motto: die Kolonisation und die Aufteilung Afrikas soll in "geordneten Bahnen" vor sich gehen. Die Propaganda behauptet, in Afrika gäbe es noch "Niemandsland" zu verteilen, so genannte "weisse Flecken". Diese "weissen Flecken" auf der Landkarte gelte es zu vermessen und zu besiedeln. Die afrikanische Bevölkerung gilt als "Niemand". Es wurde die These verbreitet, bis jetzt herrsche in Afrika ein "kulturloser Zustand". Die Zivilisierung der Afrikaner sieht dann so aus, dass die afrikanischen Frauen ihre Arbeit auf den Feldern zukünftig in Ketten verrichten dürfen und die afrikanische Bevölkerung gezwungen wird, europäische Sprachen zu sprechen, da die afrikanischen Sprachen als minderwertig angesehen werden. Nach Bismarcks Ansicht, sollte Afrika europäisiert werden, alle Afrikaner "zivilisiert" und zu "brauchbaren" Menschen gemacht werden. In Wirklichkeit meinte er aber wohl, alle Afrikaner sollten zu brauchbaren Untertanen gemacht werden. Geplant wurde eine freie Schifffahrt und Freihandel, so dass alle europäischen Mächte Gelegenheit zur Ausbeutung Afrikas hatten. Nur die Afrikaner sollten dabei leer ausgehen. Bismarck legte damit die Grundlage, die Profitgier der europäischen Staaten in Afrika ins unermessliche zu steigern. Deutschland besaß unter Bismarck vier Kolonien in Afrika, die insgesamt mehr als die vierfache Fläche des Deutschen Reichs hatten. Zu den deutschen Kolonien zählten Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika. Deutsch-Ostafrika umfasste die heutigen Länder Tansania, Burundi und Ruanda. Sie war die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches. Weiter kamen im Pazifischen Ozean im nordöstlichen Teil der Insel Neuguinea (nördlich von Australien) das Kaiser-Wilhelm-Land (Deutsch-Neuguinea) und die davor gelegene Inselgruppe das "Bismarck-Archipel" hinzu. 1883 hat der Bremer Kaufmann Lüderitz für einen Preis von 500 Pfund und 50 Gewehren einen Gebietsstreifen in Südwestafrika vom Nama-Häuptling Joseph Fredericks gekauft. 1885 kaufte er noch weitere Gebiete im Norden. Damit war die Basis für das spätere Deutsch-Südwestafrika geschaffen. Nachdem sich die Hoffnungen Lüderitz’ auf ein attraktives Wirtschaftsgebiet nicht erfüllten, verkaufte er das gesamte Gebiet für fünfhunderttausend Mark an die neugegründete Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika. Nach 1918 propagierte diese Gesellschaft die Wiedererrichtung eines deutschen Kolonialreiches in Afrika und Asien. Mit diesen Forderungen befand sich die Gesellschaft in Übereinstimmung mit der Kolonialpolitik der NSDAP, mit der sie Ende der 20er Jahre eng zusammenarbeitete. Unter den Hereros, einem afrikanischen Stamm in Deutsch-Südwestafrika, wurde übrigens der zum Häuptling gewählt, der den größten Viehbesitz hatte. Je größer dieser Besitz, desto mehr Leute empfingen von ihm einen Lebensunterhalt. Ich denke, aus dieser humanen Einstellung können wir heute eine ganze Menge lernen, nämlich die Tatsache, dass Reichtum auch mit sozialer Verantwortung verbunden ist. Unter den Herero war Weideland Stammesbesitz. Die Hereros erhoben sich 1904 gegen die deutschen Kolonisten und deren Herrschaft in Südwestafrika. Dem Aufstand schlossen sich wenig später die Hottentotten an. Die Aufständischen richteten ein Blutbad unter den deutschen Siedlern an und brannten deren Siedlungen nieder. Die auf 17.000 Mann verstärkte "Schutztruppe" nahm dafür grausam Rache. Bis Ende 1907 zog sich der Kampf gegen versprengte Gruppen der Aufständischen schließlich hin. Von ursprünglich 80.000 Herero überlebten nur 12.000, und von den 20.000 aufständischen Hottentotten kam die Hälfte ums Leben. Der Krieg gegen die Herero endete schließlich darin, dass Generalleutnant Lothar v. Trotha als Oberbefehlshaber der Schutztruppe nach Südwestafrika entsandt wurde. Er stand in dem Ruf ein schlechter Staatsmann zu sein und dazu ein unedler, selbstsüchtiger und kalter Mensch, ein Mensch der Oberflächlichkeit und des Scheins. Trothas Kriegsführung wurde als brutal und primitiv bezeichnet. Trotha hatte schließlich eine "geniale" taktische Idee: Völkermord durch Vertreibung. Er trieb die Hereros in die wasserlose Halbwüste im Norden Namibias. Für über 80 Prozent des einst mächtigen und reichen Volkes ist diese Kriegstaktik das Todesurteil. Kinder, Frauen und Männer erleiden mit ihrem Vieh den grauenvollen Tod des Verdurstens. Wenn dieses auch erst 1904 nach dem Tode Bismarcks geschah, so hatte doch Bismarck die Saat für die Kolonialisierung gesät. Quellen:
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