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Die Kreuzüge des Mittelalters

Die Kreuzzüge des Mittelalters     Startseite

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KreuzzügeDie Kreuzzüge des christlichen Abendlandes waren religiös motivierte Feldzüge, die ursprünglich der Befreiung Jerusalems und des "Heiligen Landes" Palästina aus der Hand der "Ungläubigen" dienen sollten, nachdem moslemische Truppen des Kalifen al-Hakim im Jahre 1009 die Grabeskirche in Jerusalem, wo sich der Kreuzigungsort und das nahebei liegende Grab Jesu Christi befunden haben soll, zerstörten. Die Kreuzzüge wurden aber sehr bald auch schon von den Päpsten und den Adligen zur privaten Machtbefriedigung genutzt.

Schon bald wurden die Kreuzzüge nicht nur gegen die vermeintlich Ungläubigen geführt, sondern auch gegen die von der Kirche als Ketzer betrachteten Nichtchristen. So wurden die Kreuzzüge zu einer starken politischen Waffe. Die Kreuzzüge fanden unter den Christen sehr große Zustimmung. Sie waren gleichzeitig  Bußgang, um für geleistete Sünden Buße zu tun, als auch Kriegszüge. Die Kreuzzüge wurden als gerechte gottgefällige Kriege betrachtet. Sie wurden als Heilige Kriege verstanden, die ihren Auftrag über den Papst direkt von Gott erhalten hatten.

Die religiösen Motive traten im Laufe der Kreuzzüge aber immer wieder in der Hintergrund. So dass es zu furchtbaren Grausamkeiten, Plünderungen, Vergewaltigungen und Massenhinrichtungen kam. Wie bei allen Kriegen, so verrohten auch bei den Kreuzzügen die Menschen auf beiden Seiten der kriegsführenden Parteien und waren zu den furchtbarsten Greueltaten bereit.

Der abendländische Adel und die römisch-katholische Kirche erhofften sich durch die Kreuzzüge neue Besitztümer. Dies traf vor allem für die jüngeren Adligen zu, die nicht erbberechtigt waren. Das Papsttum versprach sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine massive Stärkung seiner Machtposition. Aber die Päpste hofften auch auf eine Wiedervereinigung der römisch-katholischen Kirche mit den orthodoxen byzantinischen Christen, bzw. auf die Kontrolle der Ostkirche.

Wirtschaftlich profitierten auch die italienischen Seerepubliken (Genua, Pisa, Venedig und andere) durch die Kreuzzüge vom Handel mit dem Orient. Die italienischen Seerepubliken nutzten die Kreuzzüge vor allem, um den byzantinischen Handelskonkurrenten auszuschalten.

Für manche Herrscher war der Aufruf zu einem Kreuzzug außerdem ein Mittel, um die für sie problematischen gesellschaftlichen Randgruppen loszuwerden. So folgten den Kreuzzügen eine ganze Reihe von Obdachlosen, verarmte oder in der Erbfolge nicht berücksichtigte Adlige, religiös motivierte Idealisten, Abenteurer und Kriminelle, die sich in Palästina ein neues Leben, religiöse Erfüllung, Landbesitz oder Reichtümer erhofften. [01]

Erster Kreuzzug (1095-1099)   Top

An den Kreuzzügen nahmen neben dem französischen "Templerorden" (Templer) auch der deutsche "Johanniterorden", der "Deutsche Orden", einige spanische und portugiesische Ritterorden, sowie katholische und evangelische Bruderschaften und viele freiwillige Teilnehmer teil. 1096 brachen die Kreuzfahrer in vier Heeren unter Führung des niederlothringischen Herzogs Gottfried von Bouillon zum ersten Kreuzzug auf. Zunächst sammelten sich die Kreuzfahrer in Byzanz, um anschließend mit einer Armee von 600.000 Soldaten zum Nahen Osten aufzubrechen. Aber die mörderische Hitze Kleinasiens macht den Kreuzfahrern schwer zu schaffen. Ein Chronist schrieb: "...dass den mitgereisten schwangeren Frauen, die Frucht des eigenen Leibes verdorrte".

Byzanz
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Mit List und Gewalt eroberten die Kreuzfahrer die Seldschuken-Städte Edessa und Antiochia. Die Seldschuken waren eine türkische Fürstendynastie in Mittelasien, aus dem Iran, Irak, Syrien und Anatolien. Dabei ermorden die Kreuzfahrer allein in Antiochia etwa 100.000 Türken, darunter sehr viele Frauen, Kinder und Säuglinge. Drei Jahre nach ihrem Aufbruch erreichen die Kreuzfahrer im Jahre 1099 n.Chr. Jerusalem. Nachdem die Kreuzritter Jerusalem 5 Wochen lang belagert hatten, drangen sie in die Stadt ein, und richteten unter der jüdischen und islamischen Bevölkerung ein riesiges Blutbad an. Das Ziel des Kreuzzugs war erreicht. Jerusalem war in der Hand der Christen. Mehr als eine Millionen Menschen sollen bei diesem Kreuzzug umgekommen sein. Der Urheber dieses Heiligen Krieges, Papst Urban II, bekommt von diesem Triumph allerdings nichts mehr mit. Er stirbt zwei Wochen nach der Eroberung der Heiligen Stadt und wird anschließend selig gesprochen.

Aber die Freude der Sieger währte nicht lange. Ohne Rückhalt in der Bevölkerung und durch rivalisierende christliche Fürsten, bekämpften sich die inzwischen von den verschiedenen Fürsten neugegründeten Kreuzfahrerstaaten untereinander. Diese Streitigkeiten nutzte Sultan Adabeg 1144 aus und belagerte erneut Odessa. Die Söhne Sultan Adebegs konnten die Eroberungen sogar noch vergrößern. Diese Ereignisse beunruhigten das Abendland natürlich zutiefst und so rief Papst Eugen III zu einem neuen Kreuzzug auf.

Zweiter Kreuzzug (1147-1149)   Top

1147 setzte sich ein Heer aus französischen und deutschen Rittern und etlichen waffenlosen Freiwilligen in Richtung Byzanz in Bewegung. In Kleinasien angekommen, schlugen die Kreuzritter alle guten Ratschläge in den Wind und plündern byzantinische Städte und ließen sich auf Gefechte mit den Türken ein, was sie mit hohen Verlusten bezahlten. Ein weiterer schwerer Fehler ist, dass sie die syrische Hauptstadt Damaskus angriffen, die einzige muslimische Stadt, die den Franzosen wohlgesonnen war. Angesichts der Bedrohung, verbündet sich Damaskus deshalb mit Sultan Atabeg. So endete der Einmarsch der Kreuzfahrer in die syrische Hauptstadt schnell in einer Tragödie.

Dritter Kreuzzug (1189-1192)  Top

So unrühmlich der zweite Kreuzzug auch war, so war den christlichen Kreuzfahrern  mittlerweile ein ernsthafter und gefährlicher Gegner im Nahen Osten entstanden: Salah ab-din, von den Kreuzfahrern auch Saladin genannt. Dies war ein willkommener Anlass weitere Kreuzfahrerheere zu entsenden. Salah ab-din war  vom Sohn eines kurdischen Statthalters zum Sultan aufgestiegen, hatte im Eiltempo die christlichen Bastionen der Kreuzfahrer erobert und nahm am 02.10.1187 Jerusalem ein. Nachdem Salah ab-din dem christlichen Heer also eine vernichtende Niederlage zugefügt hatte, rief Papst Gregor VIII zum dritten Kreuzzug auf.

Auf dem dritten Kreuzzug ziehen der kreuzzugerfahrene deutsche Kaiser Friedrich I, auch Barbarossa genannt, Englands junger König Richard Löwenherz und König Phillip II von Frankreich gemeinsam ins Heilige Land. Damit nahm das Unheil seinen Lauf. Da sich außerdem der englische König Richard I und der französische König Phillip II,  in einem ständigen Konflikt befanden, weil England einen Anspruch auf den Thron Frankreichs gestellt hatte, was zu einer Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich führte (Hundertjähriger Krieg), zogen zwei befeindete Nationen gemeinsam in einen Kreuzzug.  [02]

3. KreuzzugKlicke auf das Bild, um es zu vergrößern

Der ehemalige französische König von Jerusalem, Guido von Lusignan, der einst von Salah ab-din gefangen genommen war, dann aber großzügigerweise wieder freigelassen worden war, belagerte mit den ihm verbliebenen Truppen seit 1189 die nicht weit von Jerusalem entfernte Stadt Akko.

Kaiser Barbarossa hatte mittlerweile mit seinem Heer den größten Teil Kleinasiens durchzogen. Da ertrank er am 10. Juni 1190 im Fluß Saleph (heute Göksu) in Anatolien. Allerdings sind die genauen Umstände seines Todes nicht geklärt. Man spekuliert, ob er angesichts der Sommerhitze und seines fortgeschrittenen Alters, Kaiser Barbarossa war mittlerweile 65 Jahre alt, in dem eiskalten Gebirgswasser einen Herzinfarkt erlitten hatte, oder ob er von seinem scheuenden Pferd abgeworfen wurde und von seiner schweren Rüstung unter Wasser gezogen wurde. Jedenfalls lösten sich seine Truppen auf und nur ein geringer Teil nahm an der Belagerung Akko's teil.

Im April 1191 trifft der französische König Phillip II und im Juni 1191 der englische König Richard Löwenherz in Akko ein. Beide hatten Akko über den Seeweg durch das Mittelmeer erreicht. König Richard war in Zypern (Cypern) aufgehalten worden, da er auf dem Weg in den Nahen Osten Zypern erobert, und den Kaiser von Zypern gefangen genommen hatte. Später verkaufte König Richard Zypern an Guido von Lusignan, der Akko belagerte. Nun aber gingen sie mit vereinten Kräften gegen Salah ab-din vor. Bereits am 12. Juli 1291 kapitulierte Salah ab-din.

Schon am 2. August 1191 schifft sich der französische König wieder nach Frankreich ein und erobert unverzüglich die englischen Lehen in Frankreich. Richard Löwenherz dagegen setzt den Feldzug gegen Salah ab-din bis Oktober 1192 fort. Er erobert das an Salah ab-din gefallene Akko zurück, das daraufhin zum Zentrum der Kreuzfahrer wird.

Nachdem er aber erfuhr, dass sich sein jüngster Bruder Johann Ohneland (Plantagenet) in England des englischen Throns bemächtigte und Philipp II. die englischen Lehen in Frankreich angegriffen hatte, schloss er mit Salah ab-din einen dreijährigen Friedensvertrag. Jerusalem allerdings blieb im Besitz Salah ab-din's. Als er auf der Rückreise durch Österreich kam, ließ ihn Herzog Leopold V festnehmen und lieferte ihn schließlich an den römisch-deutschen Kaiser Heinrich VI aus. Der Gefangene wurde an Heinrich VI selbst übergeben, der ihn auf Burg Trifels in der Pfalz inhaftierte. Erst gegen Zahlung einer gewaltigen Lösegeldsumme (6.000 Eimer Silber = 100.000 Mark) die Richard's Mutter, Eleonore von Aquitanien, 1194 an den Heinrich VI zahlte, wurde Richard freigelassen.

Die Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich führten schließlich zum "Hundertjährigen Krieg" zwischen beiden Staaten. Während der langwierigen Auseinandersetzungen, konnte die 19jährige französische Freiheitskämpferin Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orleans, Tochter einer wohlhabenden Bauernfamilie, die von der göttlichen Vision geleitet wurde, dass sie die Franzosen zum Sieg führen würde, selbst den Sohn des französischen Königs Karl VII, der von seinem Vater enterbt worden war, am 1. März 1429 von ihrer Vision überzeugen. In Poitiers ließ er sie drei Wochen lang von Geistlichen und hochgestellten Persönlichkeiten auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen und ihre Jungfräulichkeit durch die Mutter Karls VII untersuchen.

Nach einem Verrat nahmen burgundische Soldaten sie am 23. Mai 1430 gefangen und verkauften sie nach zwei Fluchtversuchen für 10.000 Franken an die mit ihnen verbündeten Engländer. Diese übergaben Jeanne an die katholische Gerichtsbarkeit in Rouen (Frankreich), wo sie wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen gegen die göttliche Majestät von der Inquisition zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. Am Morgen, des 30. Mai 1431 wurde sie verbrannt und ihre Asche in der Seine verstreut. 1456 wurde die Ehre Jeanne d’Arcs in derselben Stadt durch einen Revisionsprozess wiederhergestellt. Schon bald wurde sie zur französischen Nationalheldin erklärt, aber erst 1920 heilig gesprochen. [03]

Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England endete erst 1559 durch die Niederlage der Engländer bei Castillon. Damit verlor England alle englischen Terretorien auf französischem Boden.

1198 besteigt mit Innozenz III ein Papst und Machtpolitiker den heiligen Stuhl, wie ihn die Kirche seit Papst Urban II, der die Christen zum ersten Kreuzzug aufgerufen hatte, nicht mehr gesehen hatte. Papst Innozenz III rief zum vierten Kreuzzug auf und hatte dabei nicht das wirtschaftlich wenig attraktive Jerusalem im Sinn, sondern das reiche Ägypten und das noch reichere Byzanz, das ja eigentlich auch zum Heiligen Römischen Reich gehörte, aber schon deshalb mit argwöhnischen Augen betrachtet wurde, da sich in Byzanz ein eigenständiges orthodoxes Christentum entwickelt hatte.

Vierter Kreuzzug (1202-1204)   Top

Der vierte Kreuzzug hat eine etwas längere Vorgeschichte. In der Mitte des 12. Jahrhunderts waren etwa 70.000 der etwa 500.000 Einwohner von Byzanz lateinischer Herkunft. Es waren vorwiegend Händler aus den italienischen Hafenstädten Pisa, Genua, Amalfi und nicht zuletzt aus Venedig. Diese Lateiner besaßen Privilegien, die Byzanz einst in Notzeiten gewähren musste, in der Byzanz von den Italienern militärisch unterstützt wurde. Aber diese Bevorzugung, sowie die anmaßende Art der Lateiner und die ständigen Streitereien der Lateiner untereinander, schürten Hass unter der byzantinischen Bevölkerung.

Zu Beginn des Jahres 1171 kam es im Viertel der genuesischen Kaufleute zu Ausschreitungen, bei der das Viertel völlig zerstört wurde. Die Täter wurden nie ermittelt. Aber dennoch beschuldigte der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos die Venezianer. Deshalb wurden am 12. März 1171 im gesamten Reich alle venezianischen Kaufleute verhaftet, eingesperrt und ihr Besitz beschlagnahmt. Nur wenige Venezianer konnten entkommen. Venedig fasste diese Verhaftungswelle als Kriegserklärung auf und schickte im Sommer eine Kriegsflotte mit 120 Schiffen unter Leitung des Dogen (Staatsoberhaupt der Republik Venedig) Vital II. Michele nach Byzanz.

Die Flotte umrundete den Pelloponnes, traf aber bei Euböa auf byzantinische Diplomaten, die um Verhandlungen baten. Der venezianische Doge ging darauf ein, schickte eine Gesandtschaft nach Byzanz und überwinterte mit seiner Flotte im ägäischen Meer auf der Insel Chios (bei Izmir, Nachbarinsel von Lesbos). Als die Gesandten im Frühjahr aus Byzanz zurückkamen, wurde deutlich, dass der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos überhaupt nicht an Verhandlungen interessiert war. Er hatte die angeblichen Verhandlungen nur als Vorwand benutzt, um den Ausbau der byzantinischen Verteidigungslinie voranzutreiben. Die venezianischen Diplomaten hatte er schimpflich behandelt und den zur Gesandtschaft gehörenden Enrico Dandolo, der später zum Dogen (Staatsoberhaupt) von Venedig ernannt und den vierten Kreuzzug gegen Byzanz leiten sollte, in dieser Zeit vermutlich geblendet (eine Qual, die auch beispielsweise die byzantinischen Kaiser Alexios III. und Isaak II. traf.). [04]

Einen Angriff auf Byzanz, konnte es nach der Rückkehr der Gesandten allerdings nicht mehr geben, den auf den überfüllten Schiffen, war im Winter 1171/72 die Pest ausgebrochen und hatte Tausende dahingerafft. Die wenigen Überlebenden waren nicht in der Lage einen Krieg zu führen. So endete das ganze Vorhaben in einem Desaster und der Doge Vital II. Michele kehrte gedemütigt und  unverrichteter Dinge wieder nach Venedig zurück, wie er dem Volkszorn zum Opfer fiel. Das Verhältnis dieser beiden einstigen Verbündeten wurde durch dieses Ereignis schwer in Mitleidenschaft gezogen. Selbst ein 1177 geschlossener Frieden zwischen beiden Parteien änderte daran nichts.

Im August 1198 rief Papst Innozenz III ohne besonderen Anlass zum erneuten Kreuzzug auf. Der vierte Kreuzzug findet unter den europäischen Herrschern aber nur wenig Zustimmung und wurde deshalb hauptsächlich unter Beteiligung französischer Fürsten und Ritter und der Republik Venedig ausgetragen. Anscheinend hatte man von vornherein beabsichtigt, den Seeweg ins Heilige Land zu nehmen und ebenso eine eigene Flotte von 50 Galeeren mit Proviant und Waffen auszurüsten. So ist es also kein Zufall, dass Papst Innozenz III, eine Gesandtschaft mit Blankovollmachten nach Venedig schickt, um mit Enrico Dandolo, der einst vom byzantinischen Kaiser geblendet wurde und nun Doge in Venedig war, über die Anmietung von Schiffen zu verhandeln.

Offizielles Ziel des Kreuzzuges war Jerusalem. Aber in einem geheimen Zusatzprotokoll einigte man sich auf die Eroberung Ägyptens. Hatte man mit etwa 30.000 Kreuzfahrer gerechnet, so fanden sich 1202 aber nur etwa 10.000 Kreuzfahrer in der Republik Venedig ein, welches sich bereit erklärt hatte, die Kreuzfahrer mit ihren Schiffen zu transportieren. Weil die Kreuzfahrer aber nicht in der Lage waren, die geforderte Summe von 85.000 Silbermark zu bezahlen, wurde der Betrag von Enrico Dandolo gestundet. Somit lagen die Geschicke des vierten Kreuzzuges vollkommen in der Hand des mittlerweile 90jährigen blinden venezianischen Dogen Enrico Dandolo.

Für Venedig war das ganze Unternehmen ein hochriskantes Wagnis, stellten sie doch 200 neugebaute und von der Handelsschifffahrt abgezogene Schiffe bereit, ohne dass die Kreuzfahrer in der Lage waren, dafür zu bezahlen. Ein Kassensturz hatte ergeben, dass sie zahlungsunfähig waren. So stundete der Doge den Kreuzfahrern die Schulden in Höhe von 85.000 Silbermark. Man einigte sich darauf, als Gegenleistung, die katholische dalmatinische Stadt Zara (heute Zadar/Kroatien) an der Ostküste der Adria zurück zu erobern, die Venedig zuvor an Ungarn verloren hatte. Die Beute der Eroberung sollte mit den Schulden verrechnet werden. Ende November 1202 wurde Zara eingenommen.

Die Kreuzfahrer verbrachten den Winter 1202/03 auf der griechischen Insel Korfu und bereiteten sich auf die Überfahrt nach Ägypten vor. Zu jener Zeit aber wurde der byzantinische Kaiser Isaak II durch Alexios III vom Thron gestürzt. Deshalb bat der Sohn Isaak II, Prinz Alexios Angelos, der später als Alexios IV bekannt wurde, die Venezianer um Hilfe bei der Rückeroberung des Thrones. Prinz Alexios, der sich als rechtmäßiger Erbe seines Vaters Kaiser Isaak II fühlte, versprach den Kreuzfahrern 200.000 Silbermark, die Versorgung des Kreuzfahrerheeres für ein Jahr, sowie eine Armee von 10.000 Soldaten als Unterstützung bei der Rückeroberung Jerusalems.

Dieser Hilferuf kam den Venezianern nicht ungelegen, waren doch viele ihrer Händler 1182 vom damaligen byzantinischen Kaiser Manuel I. Komnenos verhaftet, enteignet und aus Byzanz vertrieben worden. Der Doge Enrico Dandolo hatte sicherlich auch nicht vergessen, dass Kaiser Komnenos ihn hatte blenden lassen. Darüber hinaus unterhielt Venedig mit Ägypten gute Handelsbeziehungen und hatte deshalb eigentlich an einem Angriff auf das islamische Ägypten kein Interesse. Außerdem waren die Byzantiner orthodoxe Christen und die Venezianer erinnerten sich an die Differenzen zwischen Christen und Orthodoxen und der Weigerung der Orthodoxen, sich an den bisherigen Kreuzzügen zu beteiligen. Deshalb griffen die Kreuzfahrer 1203 Byzanz an. Da Alexios III floh, ohne Widerstand zu leisten, bestieg Kaiser Isaak II wieder den Thron und regierte zusammen mit seinem Sohn Prinz Alexios IV.

Nach dem Sieg erwarteten die Kreuzfahren vom Kaiser die versprochene Belohnung. Aber weder Kaiser Isaak II noch sein Sohn Prinz Alexios IV dachten jemals daran, diese Belohnung wirklich auszuzahlen. (Vielleicht kam es deshalb bei der erneuten Eroberung von Byzanz am 13. April 1204 durch die Kreuzfahrer, auch zu solch massiven Plünderungen?) Im Laufe der Zeit kam es außerdem zu immer größeren Spannungen, zwischen den Kreuzfahrern und der einheimischen Bevölkerung. So brannten die Kreuzfahrer z.B. eine islamische Moschee nieder, was zur Folge hatte, dass ein ganzes Stadtviertel mit abbrannte. Auch das unfähige Kaisergespann aus Kaiser Isaak II und seinem Sohn Prinz Alexios IV nahm an Unbeliebtheit zu. Bald darauf wurde Prinz Alexios IV ermordet. und Kaiser Isaak II starb unter mysteriösen Umständen. Der neue Kaiser nannte sich Alexios V. Er wies die Kreuzfahrer aus der Stadt.

Obwohl Papst Innozenz III von einem weiteren Angriff auf Byzanz abriet, bereiteten die Kreuzfahrer sich schon bald auf einen neuen Angriff vor. Am 13. April 1204 erfolgte die Eroberung der Stadt. Die Stadt wurde von den Kreuzfahrern vollständig geplündert, viele Einwohner misshandelt, vergewaltigt oder getötet. Kaiser Alexios V wurde verhaftet, geblendet und auf dem Forum Tauri von einer 40 Meter hohen Säule zu Tode gestürzt.

Dogenpalast und MarkusdomIm Gegensatz zu den Franken (Franzosen) die wahllos jeden Goldschmuck zusammenrafften und ihn einschmolzen, schickten die Venezianer Suchtrupps aus Kunstexperten durch die Stadt, die die wertvollsten Kunstschätze sicherstellten. Viele dieser wertvollen Stücke schmücken noch heute den Markusdom und  den Dogenpalast (Bild links: Markusdom und Dogenpalast) in Venedig. Der Gesamtwert der Beute wird auf 900.000 Silbermark geschätzt. Das dürfte heute einem Wert von mehreren Hundert Millionen Euro entsprechen. Venedig verstand es also, die Kreuzfahrer für ihre handelspolitischen Interessen einzusetzen, um den byzantinischen Konkurrenten am Bosporus auszuschalten.

Die Kreuzfahrer erklärten nach diesem Sieg das Byzantinische Reich für beendet. Und so war es dann auch tatsächlich. Das Byzantinische Reich konnte sich von dieser Niederlage nie wieder erholen. Das Bollwerk Byzanz, dass Europa 5 Jahrhunderte vor dem Einfall islamischer Truppen bewahrte, hatte nun jede Widerstandskraft verloren. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Osmanen Byzanz im 15. Jahrhundert endgültig besiegten.

Byzanz wurde vertragsgemäß unter den Siegern aufgeteilt. Das Rumpfgebiet des byzantinischen Reiches wurde zum "Lateinischen Kaiserreich" ernannt. Papst Innozenz III, der von den Vorgängen nicht sonderlich überrascht war, ernannte bald darauf Balduin von Flandern und Hennegau zum Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches. Kreta, Euböa und ein kleiner Teil der Peloponnes gingen als Kolonie an Venedig. Dem Lateinischen Kaiserreich mangelte es aber bereits bei der Gründung an jeglicher militärischer Stäke. Bereits 1261 gelang dem byzantinischen Kaiser Michael VIII Palaiologus die Rückeroberung von Byzanz. Aber das byzantinische Reich vermochte nie mehr den Glanz wieder herstellen, den es vor dem vierten Kreuzzug hatte.

Die Eroberung von Byzanz hatte Auswirkungen, die bis heute nachwirken. Die Greueltaten bei den Plünderungen von Byzanz, belasteten das Verhältnis zwischen den orthodoxen Christen und der römisch-katholischen Kirche so sehr, dass der Graben, der bereits seit dem 11. Jahrhundert zwischen beiden bestand, bis heute weiter besteht. Obwohl der Papst die Besetzung von Byzanz  auf's schärfste verurteilte, war er an der Entwicklung nicht schuldlos. Schließlich hatte er den Kreuzzug unter machtpolitischen Eroberungsphantasien erst ins Leben gerufen. Deshalb steht die byzantinische Bevölkerung  allen theologischen Einigungsversuchen zwischen der orthodoxen Kirche und den Katholiken bis heute sehr ablehnend gegenüber. Diese Ablehnung bezieht sich aber nicht nur auf die katholische Kirche, sondern ganz allgemein auf Westeuropa. Die Ablehnung gegenüber Westeuropas bezieht sich auch auf Russland, das sich nach dem vierten Kreuzzug von Europa  abwandte. [05][06][07]

Der Albigenser-Kreuzzug (1209-1229)  Top

Zwischen 1209 und 1229 gab es einen innerfranzösischen Kreuzzug, den Albigenser-Kreuzzug. Er richtete sich gegen die "Katharer" (die Reinen), einer Glaubensbewegung, die sich vornehmlich in Südfrankreich, aber auch in Spanien, Italien und Deutschland ausgebreitet hatte. Die Anhänger dieser Glaubensbewegung, die auch als Armutsbewegung bekannt wurde, verzichteten um Jesu Willen freiwillig auf den Genuss irdischer Güter. Man wollte innerlich leer werden, damit Christus und die Fülle der Gottheit in diese Leere einkehren und sie erfül1en konnte. Bereits Franz von Assisi hatte diesen Gedanken verbreitet. Diese Armutsbewegung hatte sich vor allem in Albi bei Toulouse ausgebreitet. Sie ergriff Adel und Bürgertum, am stärksten aber das Volk in den Städten. Am wenigsten wurden die Bauern von der Armutsbewegung erfasst, da sie den Gegensatz von Arm und Reich am stärksten im täglichen Leben zu spüren bekamen. [08]

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gab es bereits vier Bistümer der Albigenser in Südfrankreich. Da die Albigenser das Papsttum strikt ablehnten, gab es schon bald Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche. Auch die französischen Könige hatten ein Interesse, gegen die de facto selbstständigen Grafen von Toulouse vorzugehen, um ihren Machtbereich in Südfrankreich weiter auszubauen. Deshalb organisierte Papst Innozenz III einen Kreuzzug gegen die Katharer und forderte den französischen König Phillipp II auf, gegen jene Adligen vorzugehen, die den Katharismus auf ihren Gebieten duldeten.

Der Kreuzzug der dann erfolgte, ist wie wahrscheinlich fast alle anderen Kreuzzüge, an Grausamkeit nicht zu überbieten. Am 22. Juli 1209 wurde Béziers von den Kreuzrittern eingenommen und die gesamte Bevölkerung, etwa 22.000 Menschen, vermutlich auf Befehl des päpstlichen Gesandten, getötet. Das nächste Ziel war Carcassonne, welches mit Flüchtlingen überfüllt war. Als die Kreuzritter am 1. August 1209 Carcassonne eroberten, waren zum Glück fast alle Einwohner durch unterirdische Gänge in die umliegenden Wälder geflüchtet. Von den verbleibenden 500 Einwohnern, Greise, Kranke oder Kinder, durften 100 nackt die Stadt verlassen, die anderen 400 wurden gehängt oder verbrannt. Als sich die Grausamkeiten herum sprachen, kapitulierten etliche Städte der Region.

Die Städte, die Widerstand leisteten, wurden angegriffen. 1210 ergab sich nach langer Belagerung, die Stadt Minerve. Die katharischen Einwohner mussten sich zum Christentum bekennen oder sie wurden verbrannt. Als im Dezember 1210 auch Termes fiel, gab es fast keine Städte mehr, die Widerstand leisteten. Durch ihr brutales Vorgehen, hatten die Kreuzritter aber den Unmut der ansässigen Adligen und der Bevölkerung auf sich gezogen. Infolge dessen rebellierten viele der bereits eroberten Städte. So kam es zu einigen neueren kriegerischen Auseinandersetzungen, die darin endeten, dass der inzwischen zum König ernannte Ludwig VIII im Jahr 1226 die Grafschaft Toulouse eroberte und damit den Albigenserkreuzzug beendete.

Papst Gregor IX, der Nachfolger von Papst Innozenz III, übernahm die Verfolgung der Katharer. Die eigens zu diesem Zweck gegründete Inquisition, erhielt beinahe uneingeschränkte Macht. Über Jahre suchte man Katharer und ihre Unterstützer. Fand man sie, dann wurden sie verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Deshalb kam es in diesen Regionen immer wieder zu Aufständen und Rebellionen. Der letzte Katharer wurde 1321 verbrannt. Der Kreuzzug leitete unter religiösem Vorwand, die Herrschaft der französischen Krone über Südfrankreich ein. Auch wenn es heute noch gewisse Gegensätze zwischen Nord und Südfrankreich gibt, so wurde, so makaber es klingt, durch den Kreuzzug eine kulturelle und politische Vereinigung zwischen Nord- und Südfrankreich erreicht. [09]

Kinderkreuzzug und (Fünfter) Kreuzzug (1212-?) (1217-1221)   Top

Im Juli 1212 soll es noch einen Kinderkreuzzug [10] gegeben haben, an dem neben Erwachsenen auch etwa 7.000 bis 25.000 Kinder aus Köln und Lothringen teilgenommen haben sollen. Der Nachweis über diesen Kinderkreuzzug ist seht dürftig, deshalb weiß man nicht genau, ob er wirklich stattgefunden hat, oder ob er einer Legende entspricht.

Der gescheiterte Kreuzzug von 1217 bis 1221 wird in der Regel nicht zu den Orientkreuzzügen gezählt. Bei anderen erscheint er als der Fünfte Kreuzzug. Am 1. Juni 1217 brachen König Andreas II von Ungarn und Herzog Leopold VI von Österreich in Richtung Ägypten auf. Im April 1218 erreicht die Kreuzfahrerflotte die ägyptische Hafenstadt Damiette und begann zusammen mit den muslimischen Rum-Seldschuken, mit denen man zuvor ein Bündnis geschlossen hatte, Damiette zu belagern. Im November 1219 wurde Damiette eingenommen und im folgenden Jahr stärker befestigt. Beim Vorrücken ins Nildelta wurden die Kreuzfahrer jedoch im August 1221 bei al-Mansura von frischen syrischen Truppen geschlagen. Damiette wurde im September wieder geräumt und die Kreuzfahrer mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Die Schuld am Scheitern dieses Kreuzzuges wurde der Nichtteilnahme Friedrichs II gegeben, hatte er doch bereits anlässlich seiner Krönung zum König im Jahre 1215 Papst Innozenz III. die Teilnahme am Kreuzzug für 1219 zugesagt. Mitte 1219 begann der neue Papst Honorius III, mit Kaiser Friedrich II über den Beginn des verschobenen Kreuzzugs zu verhandeln. Der Termin wurde schließlich auf den 21. März 1220 festgesetzt. Doch Friedrich hielt auch diesen Zeitplan nicht ein, zumal es weitere langwierige Verhandlungen zwischen ihm und dem Papst über den Status Siziliens gab.

Kaiser Friedrich II war nämlich nicht nur deutscher Kaiser, sondern auch König von Sizilien. Er war nicht nur in Sizilien aufgewachsen, sondern lebte den größten Teil seines Lebens in Sizilien. 1220 führte er in Sizilien umfangreiche Reformen durch, auf die wir noch zu sprechen kommen, die ihn aber hinderten an einem Kreuzzug teilzunehmen. Mit dem Vertrag von San Germano im Jahre 1225 versprach Kaiser Friedrich II verbindlich, spätestens 1227 an einem Kreuzzug teilzunehmen. Diese Zusage hielt es ein. Es war der offizielle Fünfte Kreuzzug, der von anderen, die den gescheiterten (fünften) Kreuzzug mitzählen, als Sechster Kreuzzug bezeichnet wird. [11]

Fünfter Kreuzzug (Sechster Kreuzzug) (1227-1229)   Top

Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen, der also nicht am gescheiterzen letzten Kreuzzug teilgenommen hatte, wurde am 26. Dezember 1194 in Jesi bei Ancona (Hafenstadt an der italienischen Adria) geboren. Er war der Enkel von Kaiser Friedrich I, auch Kaiser Barbarossa genannt, der am 10. Juni 1190 im byzantinischen Reich, im Fluss Saleph, auf einem Kreuzzug ertrank. Bereits mit 3 Jahren wurde Kaiser Friedrich II in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Das weltoffene Klima der Hafenstadt Palermo, mit seinen vielfältigen griechischen und arabischen Einflüssen, soll mit zu der besonderen Persönlichkeit des späteren Kaisers beigetragen haben. So soll Kaiser Friedrich II sehr gebildet gewesen sein und mehrere Sprachen gesprochen haben, unter anderem Italienisch, Französisch, Latein, Griechisch, Mittelhochdeutsch und Arabisch.

Im Sommer 1211 wurde Friedrich II auf Betreiben des Papstes Innozenz III, im Alter von 15 Jahren, zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. Damit wurde zum ersten Mal ein zukünftiger Kaiser gewählt. Die Kaiserkrönung erfolgte am 22. November 1220, durch den Nachfolger von Papst Innozenz III, durch Papst Honorius, in Rom. Trotz seines Titels als römisch-deutscher Kaiser hielt sich Friedrich die meiste Zeit seines Lebens in Apulien (Südost-Italien, Stiefelabsatz) und Sizilien auf. Während dieser Zeit ließ er sich in Deutschland durch seine Söhne vertreten.

In Sizilien und Apulien organisierte er den ersten modernen Beamtenstaat und zentralisierte die Verwaltung nach byzantinischem Vorbild. 1224 gründete er die Universität von Neapel, um dort die Staatsbeamten ausbilden zu lassen und 1226 die Universität für Apotheker in Salerno, die zusätzlich die Aufsicht über das Medizin- und Arzneiwesen übernahm. In Sizilien führte er umfangreiche Reformen durch, die seine Macht festigten. Gleichzeitig beschnitt er die Macht der Adligen, versuchte aber auch das Recht der Besetzung der 150 Bistümer in Sizilien an sich zu ziehen. Die darauf erfolgten Auseinandersetzungen mit Papst Honorius III, der sich als Lehnsherr Siziliens sah,  wurden deshalb immer schärfer.

Da Kaiser Friedrich II seine Macht in Italien ausbreitete, fühlte sich Papst Honorius bedroht. Gleichzeitig wollte Papst Honorius seinen Machtbereich durch einen Kreuzzug vergrößern. Deshalb schloss er im August 1227 mit Kaiser Friedrich II in San Germano einen Vertrag, der Kaiser Friedrich II zu einem Kreuzzug verpflichtete. Sollte Kaiser Friedrich II seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, so drohte ihm eine hohe Geldstrafe oder Kirchenbann.

In dem Vertrag mit Papst Honorius verpflichtete sich Kaiser Friedrich II für den Kreuzzug für zwei Jahre 1.000 Ritter und eine Flotte von 2.000 Mann zur Verfügung zu stellen. Das Ziel sollte Jerusalem sein. Dieses kam Kaiser Friedrich II sehr gelegen, denn nach dem Tod seiner ersten Frau, hatte er am 9. November 1225 in Brindisi (Apulien) die Königin von Jerusalem, Isabella II. (Jolande) geheiratet und sich am gleichen Tag zum König von Jerusalem erklärt. Isabella II hatte Jerusalem im Jahre 1212, im Alter von etwa 2 Jahren, von ihrer Mutter geerbt. Sie heiratete Kaiser Friedrich II übrigens mit 14 Jahren und starb 3 Jahre später bei der Geburt des späteren Konrad IV. Somit stellte Kaiser Friedrich II einen Anspruch auf den Thron in Jerusalem.

Der Kreuzzug sollte eigentlich im August 1227 beginnen. Als die Kreuzfahrer aufbrechen, erkrankt Friedrich II jedoch an Malaria und geht von Bord, um sich für ein Jahr in einem Heilbad auszukurieren. Papst  Gregor IX jedoch, der Nachfolger von Papst Honorius III, hält die Krankheit für einen Vorwand, hatte Friedrich II bereits vorher mehrere Male Zusagen zu Kreuzzügen erteilt und sie nicht eingehalten, und exkommuniziert Kaiser Friedrich II. Ungeachtet des Bannes brach Friedrich II 1228 zum Fünften Kreuzzug auf, was ihm als Gebanntem eigentlich verboten gewesen wäre.

Unter der Exkommunikation versteht man dabei, den permanenten oder zeitlich begrenzten Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Im Mittelalter hatte die Exkommunikation (der Kirchenbann) die weltliche Reichsacht zur Folge und damit oft den wirtschaftlichen oder politischen Ruin. Nach dem Gerichtsspruch galten sie als Geächtete oder Vogelfreie. Diese konnten von Jedermann ohne Strafe getötet werden, ihr Vermögen verfiel und sie galten für Angehörige als tot.

Allerdings war das Verzögern des Kreuzzuges für den Papst nicht der alleinige Grund, Kaiser Friedrich II zu exkommunizieren. Hatte Kaiser Friedrich II doch mehrfach versprochen an Kreuzzügen teilzunehmen, sich dann aber nicht an diese Versprechen gehalten. Außerdem hatte es zuvor, sehr zum Missfallen des Papstes, Versuche Friedrich II gegeben, in Sizilien in die Kirchenstruktur einzugreifen. Zu Auseinandersetzungen mit dem Papst war es auch gekommen, als Kaiser Friedrich II im Jahre 1226 begann, mit dem Kreuzritterorden "Deutscher Orden" im Baltikum, gegen den Willen des Papstes, aktiv zu werden.

Auf seinem Weg nach Zypern, stellte Kaiser Friedrich II die Reichslehenschaft über Zypern wieder her. Damit gehörte Zypern also wieder zum römischen Reich. Währenddessen verschärfte Papst Gregor IX den Bann gegen Kaiser Friedrich II und bereitete einen Einmarsch ins Reichsgebiet von Kaiser Friedrich II in Oberitalien vor. Damit wären für Kaiser Friedrich II eigentlich militärische Auseinandersetzungen in Palästina unmöglich und seine Rückkehr nach Italien dringend nötig gewesen. Allerdings scheint er Kämpfe gegen die Moslems auch gar nicht angestrebt zu haben, da er schon frühzeitig in Verhandlungen mit Sultan Al-Kamil von Kairo eingetreten war. So erreichte er in einem Friedensvertrag die christliche Hoheit über weite Teile Jerusalems und vereinbarte gleichzeitig einen zehnjährigen Waffenstillstand. 

Wenn das Abkommen allerdings, sowohl von moslemischer als auch von christlicher Seite, auf breite Ablehnung stieß, so hatte der Friedenvertrag von Jaffa es doch bewirkt, den Fünften Kreuzzug ohne eine erneute kriegerische Auseinandersetzung im Heiligen Land zu beenden. Nach der Rückkehr aus Palästina bekämpfte Kaiser Friedrich II die päpstlichen Truppen. Noch während der Kampfhandlungen, nahm ein besonderer Vertrauensmann Kaiser Friedrich II, Herrmann von Salza, Vermittlungsgespräche mit dem Papst auf, um eine Lösung des Banns zu erreichen. Papst Gregor IX willigte ein, forderte aber eine Reihe von Zugeständnissen.

Zu diesen Zugeständnissen gehörte die Freiheit kirchlicher Wahlen, die Wiedereinsetzung kirchlicher Amtsträger, die Friedrich II gebannt hatte, die Unantastbarkeit kirchlicher Würdenträger durch die weltliche Rechtsprechung, die Steuerfreiheit der Kirche und ein Verzicht auf die Ansprüche im Kirchenstaat. Im Gegenzug hob Papst Gregor IX den Bann auf. Kaiser Friedrich II missachtete allerdings weitgehend die Vereinbarungen, was zu erneuten Auseinandersetzungen mit dem Papst führte. [12]

 Sechster (Siebter) Kreuzzug (1248-1250)   Top

Am 17. Oktober 1244 war es vorbei mit dem Frieden im Heiligen Land. Sultan as-Salih Ayyub von Ägypten griff das Heilige Land an. Selbst ein Zusammenschluss von Kreuzfahrern mit einem islamischem Heer konnte die Niederlage nicht verhindern. Deshalb schickte der Patriarch (Kirchenoberhaupt) Robert von Jerusalem, den Bischof von Beirut nach Europa, um für einen neuen Kreuzzug zu werben. Nach vierjähriger Vorbereitungszeit, schifft im August ein neues Kreuzfahrerheer unter Leitung des französischen Königs Ludwig IX (1226 bis 1270), dem Heiligen1, nach Zypern ein, um dort zu überwintern.

Am 5. Juni 1249 landeten die Kreuzfahrer in Ägypten. Im Handstreich hatten sie die ägyptische Stadt Damiette am Nildelta fast kampflos eingenommen. Nun machte König Ludwig IX allerdings zwei militärisch taktische Fehler. Er verzichtete auf die Verfolgung der geschlagenen ayyubidischen (Ayyubiden = kurdische Dynastie in Ägypten - 1171 bis 1252) Armee und er marschierte nicht weiter nach Alexandria, um die schwach verteidigte Stadt ebenfalls einzunehmen.

Erst fünf Monate später, im November 1249 stieß König Ludwig IX nach Alexandria vor. Inzwischen hatte Sultan as-Salih allerdings seine Truppen neu gesammelt. Als Sultan as-Salih in der Nacht von 22. zum 23 November 1249 starb, übernahm seine Frau, Schadschar ad-Dur, kurzentschlossen die Führung. Die Mamlukengarde des Sultans, bzw. seiner Frau, stellte sich den französischen Kreuzfahrern erfolgreich entgegen, stoppte ihren Vormarsch und besiegte schließlich im April 1250 in al-Mansura, die von Kämpfen, Hunger und Krankheit geschwächten Kreuzfahrer. Die Mamlukengarde war eine Elitetruppe aus Soldaten, die bereits als Kinder auf den Sklavenmärkten Anatoliens und im Kaukasus eingekauft wurden, und dann durch eine militärische Eliteschule auf ihren Dienst vorbereitet wurde. Damit wurde auch der sechste Kreuzzug, für die Christen zum Fehlschlag. [13]

1König Ludwig IX wurde übrigens 1297 von Papst Bonifatius VIII für seine Teilnahme an zwei Kreuzzügen heilig gesprochen. Der erste Kreuzzug war der sechste Kreuzzug, von dem wir gerade sprachen. König  Ludwig IX wurde beim sechsten Kreuzzug gefangen genommen und nur gegen das Versprechen freigelassen, nie wieder islamische Staaten anzugreifen. Aber dennoch führte er den siebten Kreuzzug 1270 in Tunesien an. Bei diesem Kreuzzug starb er an einer Infektionskrankheit (Pest?). [14]

Siebter (achter) Kreuzzug (und 9. Kreuzzug) (1267-1271) (1277-1282)   Top

Der Siebte Kreuzzug erscheint in manchen Zählungen als der achte, da der Kreuzzug 1217-1221, an dem Kaiser Friedrich II trotz seiner Zusage nicht teilnahm, als fünfter Kreuzzug gezählt wird. Der siebte Kreuzzug fand abermals unter Führung des französischen Königs Ludwig IX, dem Heiligen, statt. König Ludwig IX rief 1267 zu einem Kreuzzug gegen den ägyptischen Mameluckensultan2 Baibars auf, da dieser 1265 die christlichen Reiche im Heiligen Land bis auf wenige Reste vernichtet hatte.

Nordafrika

Der Bruder von König Ludwig IX, Karl von Anjou, riet ihm jedoch, zuerst Tunis in Tunesien anzugreifen, um eine bessere Basis für einen Angriff auf Ägypten zu haben. Dieser Rat war zwar vernünftig, aber von Seiten Karl von Anjou's nicht ohne Eigennutz, war er doch Herrscher von Sizilien und Unteritalien und hatte ebenfalls Interesse seinen Machtbereich in Nordafrika auszubauen. Außerdem schien der Sultan von Tunesien, durch seine Verbindungen zu den christlichen spanischen Reichen, möglicherweise für eine Bekehrung zum Christentum bereit.

2Wir erinnern uns daran, dass die Mamelucken eine Eliteeinheit war, die schon als Kinder auf den Sklavenmärkten Anatolien und im Kaukasus gekauft wurden, um anschließend zu Elitekämpfern ausgebildet zu werden.

1270 schiffte König Ludwig IX von Sardinien aus nach Nordafrika ein und belagerte Tunis. Ein großer Teil des Heeres  erkrankte aber infolge unhygienischen Trinkwassers. Am 25. August, einen Tag nach der Ankunft Karl von Anjou's, dem Bruder von König Ludwig IX, starb König Ludwig IX an den Folgen der Krankheit. Karl stellte den Kreuzrittern den Sohn König Ludwigs IX, Prinz Phillip III, als neuen Thronfolger vor. Aufgrund der Jugend Phillip's III blieb die Macht für die weiteren Unternehmungen aber in Wirklichkeit bei Karl von Anjou, dem Bruder des verstorbenen französischen Königs Ludwig IX.

Da die Krankheit sich unter den Kreuzfahrern immer weiter ausbreitete, sah man von einer weiteren Belagerung in Tunis ab. Am 30. Oktober 1270 einigte man sich in einem Abkommen mit dem Sultan darauf, den Christen Handelsfreiheit und den Priestern und Mönchen Aufenthaltsrechte in Tunis zu gewähren. So konnte der Kreuzzug zumindest teilweise als Erfolg dargestellt werden.

Karl von Anjou wandte sich nun mit dem inzwischen eingetroffenen Prinz Eduard von England in Richtung Osten. Prinz Eduard von England fuhr zur letzten Kreuzfahrerbastion Akko in Palästina, um dort gegen Sultan Baibars zu kämpfen. Aber Sultan Baibars war ihm aber entgegengekommen, so dass es 1271 bei Tripolis zur Schlacht kam, bei der Sultan Baibars siegte. Als der Vater von Prinz Eduard, Heinrich III, 1272 starb, kehrte er nach England zurück. Die Unternehmungen nach dem Ende der Belagerung von Tunis, die noch unter der Leitung Karl von Anjou's stattfanden, werden auch als neunter Kreuzzug gezählt. Das Ende vom Lied war jedoch, dass die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben wurden. [15]

Kreuzzug gegen Alexandria (1365-1369)   Top

Von 1365 - 1369 fand unter König Peter I von Zypern, der den offiziellen Titel "König von Jerusalem" trug, ein Kreuzzug gegen das ägyptische Alexandria statt. Die Eroberung verlief erfolgreich. Doch die zyprischen Truppen plünderten die Stadt nur und verschwanden anschließend wieder.

Der letzte Kreuzzug - Die Schlacht von Nikopolis (1396)   Top

Der ungarisch-kroatische König Sigismund von Luxemburg, der durch die Heirat mit Maria von Ungarn 1387 zum König von Ungarn und Kroatien wurde, wurde 1410 auch zum römisch-deutschen König und 1433 zum römisch-deutschen Kaiser gewählt. Er war hochgebildet und sprach mehrere Sprachen. Zu seinen großen Leistungen zählte die Beendigung des Abendländischen Schismas, die Kirchenspaltung innerhalb der römisch-katholischen Kirche von 1378 bis 1417, die zwei Päpste hervorbrachte, von denen der eine in Rom und der andere in Avignon regierte. [16]

Osmanisches Reich
Osmanisches Reich

Seit seiner Thronbesteigung 1387 bemühte sich der ungarisch-kroatische König Sigismund im römisch-katholischen Reich um Unterstützung bei den Auseinandersetzungen mit den Osmanen. Nach langwierigem Bemühen sowohl mit Papst Bonifatius IX aus Rom, als auch mit Papst Benedikt dem XIII aus Avignon (Frankreich) sammelte sich ein Kreuzfahrerheer. Die mehrheitlich burgundischen Kreuzfahrer kämpften an der Seite der ungarischen Truppen und erreichten am 10. September 1396 das bulgarische Nikopolis. 

Zwei Wochen lang versuchten sie vergeblich, das zur Festung ausgebaute bulgarische Nikopolis zu erobern. Dann erreicht das osmanische Heer unter Sultan Bayezid I zusammen mit serbischen gepanzerten Reitern des serbischen Vasallen Stefan Lazarević Nikopolis. So stehen sich am 25. September 1396 etwa zwei gleich starke Armeen gegenüber, die auf jeder Seite etwa über 100.000 Mann verfügt. Dabei erleiden die Christen eine Niederlage. Anschließend kann sich König Sigismund gerade noch, mit dem ihm zur Hilfe geeilten Großmeister des Johanniterordens, auf ein Schiff retten und die Donau hinab nach Konstantinopel flüchten. Nach der Schlacht werden auf beiden Seiten zusammen etwa 55.000 Tode gezählt.

Die Niederlage der Kreuzfahrer ist umfassend. Nur wenige Kreuzfahrer können entkommen, Tausende geraten in türkische (osmanische) Gefangenschaft, darunter auch der Herzog von Burgund, Johann Ohnefurcht, der die Kreuzfahrer angeführt hat. Aber auch Sultan Bayezid war über die hohen Verluste auf osmanischer Seite verärgert (35.000 Mann von den 55.000) und lässt zur Strafe 3.000 Ritter enthaupten. Das Christentum ist geschockt, scheinen die Osmanen doch unbesiegbar zu sein. Aber auch die Osmanen erleiden 1683 eine Wende in ihrem Expansionsstreben.

Die Schlacht von Nikopolis im Jahre 1396 wird manchmal als der letzte Kreuzzug des Mittelalters bezeichnet. Aber im 14. Jahrhundert fanden weitere 50 Kreuzzüge gegen die damals heidnischen Pruzzen und Litauer statt. [17] Die Pruzzen waren ein baltischer Volksstamm der zwischen Weicsel und nördlich der Memel lebte, und auf die der Name Preußen zurückgeht. Diese vom Ritterorden "Deutscher Orden" organisierte Kreuzzüge wurden auch als "Reisen" bezeichnet. [18]

Im 15. Jahrhundert fanden vier weitere Kreuzzüge gegen die Hussiten statt (auch Bethlehemiten genannt - verschiedene reformatorische beziehungsweise revolutionäre Bewegungen im Böhmen). [19] 1443 bis 1444 fand ein meist als letzter Kreuzzug eingestufter Kreuzzug gegen das Osmanische Reich bei Warna am Schwarzen Meer statt, wobei die Osmanen unter Sultan Murad II das Heer der Kreuzfahrer vernichtend schlugen.

Schaue ich mir aus heutiger Sicht das ganze grausame Gemetzel an, so komme ich zu der Einsicht, Soldaten sind Mörder und Kriege sind ein Verbrechen an die Menschheit. Es ist mir vollkommen unverständlich, wie jemand den Ritterorden noch etwas positives abgewinnen kann. Diese Ritter, die heute besonders von einigen rechten politisch-esoterisch angehauchten Gruppen romantisiert und idealisiert werden, waren vielfach, jedenfalls für mein Empfinden, nichts anderes als durch die Kreuzzüge verrohte, grausame und gewissenlose Krieger.

Man kann aus heutiger Sicht dankbar dafür sein, dass sich endlich die Macht der Adligen und der Kirche weitestgehend aufgelöst haben. Vielfach waren sie nichts anderes als machtbesessene Machthaber, die ihr Machtbestreben auf Kosten von Millionen Kreuzfahrern und Zivilisten austrugen und Not, Elend, Armut, Krankheit und Tod brachten.

Quellenverzeichnis  
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[01] Die Kreuzzüge
[02] Hundertjähriger Krieg zwischen England und Frankreich
[03] Jeanne_d'Arc
[04] Enrico Dandolo
[05] Die Kreuzzüge im Mittelalter
[06] Vierter Kreuzzug
[07] Vierter Kreuzzug
[08] Armutsbewegung
[09] Der Albigenser-Kreuzzug
[10] Kinderkreuzzug
[11] (Fünfter) Kreuzzug
[12] Kaiser Friedrich II
[13] Der sechste Kreuzzug
[14] Ludwig IX (Frankreich)
[15] Der siebte Kreuzzug
[16] Kaiser Sigismund von Luxemburg
[17] Moderne Kreuzzüge
[18] Kreuzzüge gegen die Pruzzen (Preußen)
[19] Kreuzzüge gegen die Hussiten

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