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Wurde die russische Revolution von Juden gesteuert? Startseite Einführung
Von Jan van Helsing und von vielen anderen Rechten hört man immer wieder, dass die russische Revolution von 1917 vorwiegend von Juden getragen wurde. Stimmt das überhaupt? Bei der Suche nach den Gründen für die russische Revolution lehnt sich Jan van Helsing wie auch andere rechte Autoren im wesentlichen an die in den Kreisen der russischen Rechten verbreiteten Erklärungsmodelle an. Die Revolution gilt ihnen als Ergebnis einer Verschwörung fremder Mächte, in erster Linie aber der Juden. Sie hätten das zarentreue und tiefgläubige russische Volk mit ihrer revolutionären Propaganda vergiftet und gegen die Obrigkeit aufgewiegelt. Bevor ich aber auf die russische Revolution selber zu sprechen komme, möchte ich zunächst einen Blick in die russische Geschichte vor der russischen Revolution von 1917 machen. Beginnen möchte ich mit Zarin Katharina II., die als deutsche Prinzessin in Stettin geboren wurde. (Offiziell sind mehr als einundzwanzig Liebhaber der Zarin bekannt. Dazu kommen noch unzählige kurze Liebschaften.) Schon bald nach ihrer Machtübernahme, am 4. Dezember 1762 erlaubte Katharina deutschen Bauern die Ansiedlung in den Ebenen beiderseits der Wolga, von der Ostsee bis zum Schwarzem Meer. Sie versprach den Siedlern Religionsfreiheit, Steuerfreiheit und das Verfügungsrecht über ihr Land. Für Juden dagegen besteht nur ein eingeschränktes Siedlungsrecht. Sie dürfen sich nur in den jüdischen Siedlungsrayons ansiedeln. Dort lebten über die Hälfte der Juden der Welt, 94% der russischen Juden, 11% der russischen Gesamtbevölkerung, in kleinen Orten, wo die Juden zum Teil über 50% der Bevölkerung ausmachen, meist unter sehr ärmlichen Verhältnissen. Da die Juden meist arbeitslos waren, verbreitet sich in diesen Dörfern oft bittere Armut. Die Juden versuchten als umherziehende Händler, Lastträger, in handwerklichen Familienbetrieben oder als Arbeiter in der Kleinindustrie zu überleben. Zwischen 1791 und 1917 leben fast 3/4 aller Juden vom Handel. Es halten sich Vorurteile und Antisemitismus. Der Vorwurf des Wuchers, der Ausbeutung, der Übervorteilung sowie der Hostienschändung durch die Juden sind allgemein verbreitet. Man wirft den Juden vor, sie seien am Tod Christi verantwortlich, sie würden einen jüdischen Staat in Russland planen und sie würden das Blut christlicher Kinder für jüdische Rituale missbrauchen. Die Vorurteile haben Einfluss auf die offizielle Politik in Petersburg. Durch die französische Aufklärung inspiriert, findet auch unter den russischen Juden eine Emanzipation statt. Sie drückt sich in der Haskala, einer jüdischen Aufklärungsbewegung, aus. Dabei entwickelt sich aber eine Spannung zwischen der erstrebten Erneuerung des Judentums und der Konfrontation mit den orthodoxen Juden. Somit findet die Haskala ihre Anhänger vorwiegend in wirtschaftlich und sozial unabhängigen Juden. Die Mehrheit der Juden steht treu zum traditionellen jüdischen Leben, womit sich eine Spaltung der Juden im russischen Rayon ergibt. Es gibt Auseinandersetzung um religiöse Traditionen, um die hebräisch-jiddische Sprache und um die Frage nach dem Aufbau eines höheren Schulwesens. Hebräisch wird nur in den "gebildeten Kreisen" des Judentums gesprochen. Aus der Verarmung heraus ist die jüdische Bevölkerung Russlands bereits seit etwa 1770 sehr an revolutionären Tätigkeiten beteiligt und stark organisiert. Juden gründen zahlreiche politische Vereine und Parteien für ihre Interessen. Im jüdischen Ansiedlungsrayon werden der jüdische Sozialismus wie auch der Zionismus geboren, letzterer in jüdisch-zionistischen Zirkeln im Umkreis des Rabbinerseminars von Wilna. Obwohl Zarin Katharina II. der Gedankenwelt der Aufklärung nahe stand und Russland für die europäische Kunst und Literatur öffnete, konnte sie in ihrem politischen Alltag nur in eng gesteckten Grenzen handeln. Sie verschärfte die Leibeigenschaft und weitete sie auf die bis dahin freien Bauern in der Ukraine aus. Gleichzeitig stärkte sie die Privilegien des Adels. Das führte zu massiven sozialen Unruhen. Auf Katharina II.
folgte 1801 Zar Alexander I., der eine recht liberale Judenpolitik
betrieb. Er wurde unter der Leitung eines freisinnigen Schweizer
Lehrers nach rousseauschen Grundsätzen erzogen. Der französisch- Als Zar Alexander I., der Enkel Katharinas der Großen, 1801 den Thron bestieg, zeigte er sich entschlossen, die Lage der Leibeigenen endlich zu bessern. Er folgte auf seinen Vater, den Zaren Paul I., einen geisteskranken Wüterich, der durch eine Palastrevolution sein Ende gefunden hatte. Alexander schaffte die Geheimpolizei ab, begnadigte Tausende von politischen Gefangenen und untersagte die Anwendung der Tortur beim Verhör. Er schaffte die Folter und Prügelstrafe ab und öffnete Russland, das sich unter Katharina und Paul so verschlossen hatte, liberalen Ideen. Zar Alexander I. gründete eine Kommission zur Regelung der Judenfrage, mit dem Ziel, die Juden durch formelle Integration kulturell in das soziale Umfeld zu integrieren. Er erlaubte den Juden ab 1804, die staatlichen Schulen zu besuchen und das Recht auf eine freie Religionsausübung. Einigen Juden erlaubte er, allerdings nur unter strenger Registrierungspflicht, Landwirtschaft zu betreiben. Der Handel mit Alkohol bleibt ihnen allerdings weiterhin verboten. So wollte man aus "unproduktiven Wucherern" nützliche Produzenten machen, um den krisengeschüttelten Agrarstaat zu stabilisieren. Die Juden waren steuerpflichtig, durften aber keinen Militärdienst ableisten. Dafür hatten sie eine Militärersatzsteuer abzuführen. In der ersten Hälfte seiner Regierung, war Zar Alexander I. eifrig bestrebt, das Finanzwesen seines Reichs zu ordnen, die geistige Bildung zu fördern. Leibeigne zum Verkauf auszustellen oder in den Zeitungen auszubieten, wurde verboten. Anfangs war Zar Alexander I. bemüht, kriegerische Einmischung zu vermeiden. Aber am 24. Juni 1812 marschierte Napoleon in Russland ein. Sein Plan war, eine schnelle spektakuläre Entscheidungsschlacht herbeizuführen. Doch Zar Alexander I. zog sich immer weiter in die Weiten des russischen Hinterlandes zurück. Deshalb zog sich Napoleon, nachdem er Moskau durch russische Häftlinge niederbrennen ließ, vor dem bereits am 15. Oktober 1812 einsetzendem Winter wieder zurück. Napoleon marschierte mit etwa 612.000 Soldaten los und kam mit weniger als 40.000 Mann zurück, wobei die meisten der restlichen Soldaten an Krankheiten und Übersättigung durch den langen Hunger-Zeitraum starben. Unter dem Einfluss der Mystik entstand bei dem christlich-frommen Zaren dann der Eindruck, dass er eine göttliche Mission zu erfüllen habe, was aber nur zur Handhabe für die politische Reaktion wurde. In Russland wurden die Zensur wieder eingeführt, die Wissenschaft, Literatur und der Unterricht behindert, die politische Opposition verfolgt, die Freimaurerlogen und religiöse Missionsgesellschaften unterdrückt und allmählich alle Pläne für Reform und Fortbildung aufgegeben. Über das ganze Reich breitete sich das Netz einer offenen und geheimen Polizei. Die Erfahrung, dass sich durch alle diese Maßregeln der Geist des Widerstandes nicht bannen ließ, verbitterte das krankhaft erregte Gemüt des Kaisers, der teils in den Zerstreuungen eines glänzenden, üppig-frömmelnden Hofs, teils in religiöser Mystik Zerstreuung und Befriedigung suchte. Einsam und zurückgezogen, körperlich leidend und mit verdüstertem Gemüt, starb er am 1. Dezember 1825. 1825 folgte Zar Nikolaus I., der gleich zu Beginn seiner Herrschaft energisch gegen gebildete adlige Revolutionäre (nach Lenin) vorging, die den Eid auf den neuen Zaren verweigerten und sich gegen das absolutistische Zarenregime, gegen Leibeigenschaft, Polizeiwillkür und Zensur auflehnten (Dekabristenaufstand). Zar Nikolaus I. betrieb eine sehr judenfeindliche Politik und erließ etwa 600 antisemitische Gesetze. Er stellte die Verwaltung unter militärischer Aufsicht und lehnte die Aufhebung der Leibeigenschaft entschieden ab. Durch seinen innenpolitischen Despotismus lebte er in ständiger Angst vor Revolutionen. Der Hass Zar Nikolaus I. auf alles Jüdische äußert sich in den Kantonistendekreten von 1827. Jüdische Kinder werden mit 12 statt mit 18 Jahren, manche Jungen sogar schon mit 8 Jahren, zum Militärdienst eingezogen. Durch brutale Schulen, durch Zwangstaufen ganzer Einheiten und Einschleusung von Kriminellen, erhofft man sich die Juden zu russifizieren. Reichen jüdischen Familien gelingt es, ihre Kinder durch Korruption vor der Rekrutierung zum Militär zu bewahren. Es kommt zu Massenselbstmorden unter den jüdischen Rekruten, die den Namen "Gottes” nicht entheiligen wollen. Gleichzeitig steigt der Hass der jüdischen Massen auf das Zarenregime. 1835 kommt es teilweise zur Aufhebung des liberalen Judenstatus, der 1804 von Zar Alexander I. erlassen wurde. Seit dem wird Juden das Wohnen in Großstädten wie Riga, Kiew, Sewastopol und Nikolajew verboten. Das jüdische Schulwesen wird mit dem Ziel reformiert, den Unterricht vom Geist des Talmud zu befreien und vermehrt Juden zum Christentum zu bekehren. 1826 erfolgt ein Zensurbefehl gegen hebräische Publikationen und 1836 werden alle jüdischen Druckereien, bis auf je eine Druckerei in Kiew und Wilna, geschlossen. 1844 wird eine Kleidersteuer für Juden eingeführt und 1850 wird das Tragen jüdischer Trachten verboten. Die jüdische Verwaltung wird aufgelöst und der russischen Verwaltung unterstellt. Von nun an müssen die Juden ihre Steuern an einen christlichen Staat entrichten, womit die finanziellen Mittel der jüdischen Gemeinden schwinden. Für Juden werden fortan Berufsausweise mit einer Klassifikation ausgegeben, die zwischen nützlichen und unnützlichen Berufsgruppen unterscheiden. Handwerker, Bauern und Kaufleute werden als nützliche Berufsgruppen angesehen, ständige Stadtbewohner, wie Geistliche und Vermögensbesitzer, sowie Stadtbewohner "ohne ständige Ansässigkeit", wie Fuhrknechte, Goldschmiede und Lehrlinge werden als unnützliche Berufsgruppen eingestuft. Die als unnützlich eingestuften Berufsgruppen werden vermehrt zur Armee eingezogen. 1856 folgte Zar Alexander II. Er setzte gegen große Widerstände die Aufhebung der Leibeigenschaft und weitreichende wirtschaftliche Reformen durch. Aber auf Grund der immer noch bestehenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung breiteten sich sozialistische, kommunistische und nihilistische Ideen aus und gewannen an Bedeutung. Ebenso stieg wegen der korrupten Beamten, die Zar Alexander II. tolerierte, die Unzufriedenheit im Volk. Unter Zar Alexander II. erstarkt der Nationalismus gegen die Juden. Gleichzeitig startet er aber auch ein Aufklärungsprogramm, welches einem kleinen Teil der jüdischen Bevölkerung Erleichterungen verschafft. So wird z.B. die jüdische Militärpflicht der russischen Militärpflicht angeglichen. Es wird allerdings einigen "nützlichen" Juden gestattet, sich außerhalb des jüdischen Siedlungsrayons zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer anzusiedeln. Zu diesen nützlichen Juden zählen Kaufleute der "ersten Gilde", die die höchsten Steuern zahlen, Universitätsabsolventen, später aber auch Handwerker und jüdische Soldaten, die unter Zar Nikolaus I. gedient haben. Dabei werden die Juden ausserhalb des jüdischen Rayons gezwungen, Religion, Sitten und Gebräuche aufzugeben. In der Folge können bis 1917 300.000 Juden den Ansiedlungsrayon zwischen Ostsee und Schwarzem Meer verlassen und in russischen Städten gesellschaftlich aufsteigen. Die Masse der Juden bleibt im Ansiedlungsrayon auf engem Raum und ohne Arbeit. 1863 kommt es in Polen, welches in ein deutsches und ein russisches Gebiet aufgeteilt ist, auf Grund sozialer Missstände zu Aufständen gegen die russische Regierung. Darauf werden Hunderte von Rebellen öffentlich hingerichtet. 20.000 Polen werden nach Sibirien verbannt. Tausende von Adelsfamilien werden enteignet. Das formal bestehende Königreich wird aufgehoben und ins Russische Reich integriert. Der Aufstand zieht eine Emigrationswelle in alle Länder der Welt nach sich. Die russische Propaganda behauptet die Beteiligung der Juden am Aufstand, wodurch die politisch rechten Gruppen im russischen Regime stärker gegen die Juden Politik betreiben. Nachdem sich die Wogen 1865 wieder etwas geglättet haben, kommt es zur Lockerung antijüdischer Gesetze. Das Trachtenverbot wird aufgehoben, sowie das Verbot der Kopfrasur für Frauen und das Verbot der Backenbärte für Männer. Auf Alexander II. wurden mehrere Anschläge verübt. Das Attentat von 1866 wurde den Juden angelastet und hatte ein Erstarken rechter politischer Gruppen in Russland zur Folge, die die Unterdrückungspolitik gegen die Juden weiter durchsetzte. Am 13. März 1881 starb Alexander durch ein Sprengstoffattentat einer russischer anarchistischen Gruppe, die die Abschaffung der Alleinherrschaft des Zaren, freie und allgemeine Wahlen, Volksvertreter sowie Meinungs-, Presse-, und Gewissensfreiheit forderte. Regierungsnahe Kreise bezichtigen die Juden des Attentats, was zu Pogromen mit Tausenden jüdischen Opfern führte. Die "nützlichen" Juden, denen man die Ansiedlung außerhalb des jüdischen Siedlungsrayon gestattet hatte, wurden wieder in die Rayons zurücktransportiert und an den Bildungseinrichtungen wurde nun zum Nachteil der Juden eine "Judenquote" eingeführt. Russisch wird zur allgemeinen Staatssprache und somit die jiddische, eine westgermanische Sprache, die überwiegend von Juden auf der ganzen Welt gesprochen wird, und die hebräische Sprache verdrängt. Als Reaktion erfolgt zum ersten Mal eine jüdische Gegenwehr unter jüdischen Intellektuellen, was wiederum den Antisemitismus fördert. 1881 übernahm Zar Alexander III., ein ausgesprochener Judenfeind die Macht. Er benutzte antisemitische Parolen und Pogrome als politische Waffe. Er hob beinahe alle Verbesserungsvorschläge seines Vaters, Zar Alexander II., wieder auf. Zar Alexander III. erweiterte die Machtbefugnisse der Polizei und ließ zunehmend Anarchisten und sozialistische Revolutionäre nach Sibirien deportieren. Allmählich zog er sich so die Feindschaft aller Klassen in Russland zu. Erneut flackerte überall der Terror gegen die Juden auf. Die Juden werden verfolgt und verschmäht, gelten als Vertreter der modernen Gesellschaft, als Vorreiter einer kapitalistischen Wirtschaft. Sie sollen eine Bedrohung für den russischen Feudaladel sein, der sein agrarisches Gepräge behalten will. Vor allem die Gutsbesitzer wollen am System der Leibeigenschaft festhalten. Dies führt zur Etablierung eines aggressiven Antisemitismus in den russischen Behörden. Die Gutsbesitzer kopieren den Antisemitismus der Behörden und benutzen ihre Macht, um durch die Presse Druck auszuüben und einzelne Ministerien, z.B. das Innenministerium, zu dominieren. Es entwickelt sich eine "Judophobie” gegen die intellektuelle Überlegenheit und Offenheit der Juden. Sie richtet sich sowohl gegen die verarmte jüdische Bevölkerung als auch gegen die höhergestellte Juden, die sich dem sozialen Umfeld angepasst haben. Die Zaren-Regierung unterstützte die Bildung einer rechtsgerichteten paramilitärischen Gruppierung, der "Schwarzhunderter". Sie terrorisieren sowohl die Juden, als auch die sich im Rahmen der Industrialisierung neu gegründeten revolutionären Arbeiterbewegungen. Verarmte Volksschichten werden gegen die Juden aufgehetzt, so dass es zu blutigen Übergriffen auf die Juden kommt. Die staatliche Diskriminierung hört sofort beim Übertritt der Juden zum Christentum auf. Die Übergriffe der rechtsextremen Schwarzhunderter jedoch nicht. Dies führt dazu, dass von 1881 bis 1914 über 2 Millionen russische Juden nach Amerika, 200.000 nach England und 60.000 nach Palästina auswandern. Zar Nikolaus II., der 1894 an die Macht kommt, ist ein ebenso großer Judenfeind, wie sein Vorgänger Zar Alexander III.. Auch er benutzt antisemitische Parolen und Pogrome an den Juden als politische Waffe, um von den eigenen Fehlern und Versäumnissen abzulenken. Zwischen 1903 und 1906 finden 690 Pogrome von Rechtsradikalen an Tausenden von Juden statt. Die Regierung ist daran zwar nicht direkt beteiligt, legt die Pogrome aber als patriotischen Akt aus und schaut stillschweigend zu. 1905 werden in Russland die "Protokolle der Weisen von Zion" veröffentlicht. Die Protokolle sind eine antisemitische Fälschung, die die Behauptung verbreiten, die Juden würden die Weltherrschaft anstreben. Die Folgen der Veröffentlichung sind verheerend. Die russische Regierung und die rechtsradikalen "Schwarzhunderter" nehmen die Protokolle als Hetzinstrument gegen die Juden und organisieren grausame Pogrome. Unter Zar Nikolaus II. nahmen Unterdrückung und Polizeiüberwachung zu, da er fest an den diktatorischen Prinzipien seines Vaters festhielt. Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich, die Arbeitslosigkeit in den Industriezentren stieg rasch an, es gab Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, da die Exportmärkte zusammenbrachen, hinzu kamen viele soziale Probleme. Ein weiterer Grund war die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung, vor allem in den gebildeten Schichten. In Moskau und Sankt Petersburg, aber auch in anderen russischen Städten entstanden Kreise von Intellektuellen, Kommunisten und Anarchisten. Zar Nikolaus II. ließ sie brutal verfolgen. Der Autoritätsverlust des Zaren und die wirtschaftliche Krise vereinigte unterschiedlichste Gruppen gegen das herrschendes System: bürgerliche und adlige Liberale, Bauern, Sozialrevolutionäre und die sozialistische Arbeiterbewegung. Die Forderungen nach Reformen, die bei diesem Kongress laut wurden, fanden bei der Regierung jedoch keine Beachtung. Arbeiterführer riefen daraufhin zu Demonstrationen auf. Am 9. Januar 1905, der als so genannter Petersburger Blutsonntag in die Geschichte eingehen sollte, marschierten zehntausende Arbeiter friedlich und unbewaffnet zum Winterpalais, der Hauptresidenz des russischen Zaren, um ihre Forderungen nach bürgerlichen Freiheiten, einem Parlament, wirtschaftlicher Erleichterung und dem Achtstundentag zu verkünden. Die Menge wurde vor dem Palast von den Truppen grundlos und überraschend zusammengeschossen. Die zahlreichen Todesopfer und die Empörung über die gewaltvolle Niederschlagung der friedlichen Arbeiterdemonstrationen führte zu einer Solidarisierung zahlreicher Arbeiter und zu einer Radikalisierung und Mobilisierung der Bevölkerung. Es folgten Enteignungen von Ackerland in den Dörfern und Arbeiterstreiks in den Städten. Der Höhepunkt der landesweiten Streikbewegung war der Eisenbahnerstreik im Oktober 1905. Meutereien in der Flotte schlossen sich an, so die Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potemkin am 14. Juni 1905. Nach Einlaufen des Panzerkreuzers in Odessa, richteten zaristische Truppen in den folgenden Tagen bei der Niederschlagung der Unruhen ein Blutbad an, später kam es auch zu antijüdischen Pogromen. Während der revolutionären Streik- und Protestbewegung befürwortete der nach Russland zurückgekehrte Lenin einen bedingungslosen Kampf gegen den Zaren. Nach der Niederschlagung ging er erneut ins Exil. Im Verlauf der Revolution verloren Regierung und Bürokratie die Kontrolle, so dass zum ersten Mal in der russischen Geschichte eine Art öffentliches politisches Leben in Russland entstand. Die Arbeiterstreikbewegung war die stärkste Kraft unter den revolutionären Strömungen. Sie legte kurzzeitig den Eisenbahnverkehr, Post und Telegraphie lahm. Die beiden stärksten Kräfte während der Revolution von 1905 waren die sozialistischen Menschewiki, mit ihrem sozialdemokratischem Führer Lenin (der später zu den Bolschewiki übertrat) und die marxistischen Bolschewiki, die besonders unter den Intellektuellen, später aber auch zunehmend unter den Arbeitern, Bauern und Soldaten, Anhänger finden. Sowohl die Menschewiki als auch die Bolschewiki haben jüdische Parteimitglieder. Die Fraktion der Menschewiki hat gemäss Stalin eine jüdische, die der Bolschewiki eine russische Mehrheit. Doch am Ende war dieser Aufstand ebenso erfolglos wie der Dekabristen- aufstand 1825 gegen Zar Nikolaus I.. Die Revolution von 1905 hatte zwar eine Reihe von Reformen zur Folge hatte, aber bewirkte dennoch keine einschneidenden Veränderungen. Weder erfolgte eine soziale Umwälzung in der russischen Bevölkerung noch wurde Russland zu einem Verfassungsstaat. Kurzfristig machte der Zar Zugeständnisse, die aber wieder zurück genommen wurden, sobald sich der Staat seiner militärischen Machtmittel sicher wusste. Das Militär konnte die alte zaristische Ordnung gewaltsam wiederherstellen. In der Folge erhob sich das russische Volk gegen die Obrigkeit: Streiks, revolutionäre Aufstände, Meuterei, Morde an Grundbesitzern und Industriellen waren an der Tagesordnung. Es breitete sich eine gewaltvolle Protestwelle gegen die Politik des Zaren aus. Ein Generalstreik der sozialistisch organisierten Arbeiter legte das öffentliche Leben lahm, um den Zaren zu zwingen, einige Zugeständnisse zu machen. Dieser brachte unter dem öffentlichen Druck das Oktobermanifest heraus, das Grundrechte und eine gesetzgebende Volksvertretung (Duma) auf der Grundlage des allgemeinen Wahlrechts beinhaltete. Es trat jedoch keine wirkliche Verbesserung ein, denn der Zar löste das Parlament selbstherrlich nach Gutdünken auf. Die politischen Spannungen aber setzten sich fort. Schon 1914, kurz nach dem Eintritt Russlands in den Ersten Weltkrieg, erstarrte die Front in einem zermürbten Stellungskrieg. Problemfelder waren Rohstoff- und Energiemangel, Transport- und Versorgungsprobleme. Auch konnte die heimische Industrie nicht genügend Material für den modernen Krieg bereitstellen. Die Mannschaften wurden schlecht ausgerüstet und ausgebildet. Millionenopfer und militärische Niederlagen sorgten für einen Vertrauensverlust, Massenfahnenfluchten und Befehlsverweigerungen. In der Bevölkerung herrschte Unmut und Kriegsmüdigkeit. Vor allem in der Landbevölkerung war die Stimmung auf einem nicht mehr erträglichen Tiefpunkt angelangt. Auf dem Land wurden 50% der Männer rekrutiert. Der größte Teil der männlichen Bevölkerung befand sich somit im Heer. Die Landbevölkerung musste Pferde und Milchkühe an die Armee abgeben, was zu einem desaströsen Ertragseinbruch der Landwirtschaft und somit wiederum zu einer immensen Armut führte. Bäuerliche Unruhen waren keine Seltenheit. In den Städten sah es nicht besser aus. Die Löhne stiegen zwar nominell, konnten jedoch mit der starken Inflation keineswegs Schritt halten. Flüchtlinge aus den Kampfgebieten sorgten für eine Wohnungsnot. Das größte Problem waren die einfach nicht ausreichenden Nahrungsmittel. Sämtliche behördlichen Gegenmaßnahmen schlugen fehl und ab 1916 bildeten sich in steigender Zahl Streiks und Demonstrationen. Durch die sozialen Missstände zerbrach der vereinbarte Burgfrieden recht schnell, der das Stillhalten der Opposition innerhalb des Krieges sichern sollte. Die wachsende Protestbereitschaft der Bevölkerung zeigt sich in der Duma, die von Vertretern des Bürgertums und des Adels dominiert wurde. In der Duma bildete sich seit 1915 der „Progressive Block“, der sich der selbstherrlichen Politik Nikolaus II. entgegenstellte. Er war die stärkste parlamentarische Opposition seit der Revolution von 1905. Der Progressive Block forderte eine Liberalisierung Russlands. Bald schloss sich dieser Block zum „Semstwo“ (ländliche Selbstverwaltung und Kongress des Städteverbandes) zusammen. Die Forderungen des "Semstwo" waren das Ende der Autokratie und eine Beendigung des Krieges. Die Antwort des Zaren war die Auflösung der Duma. Abgeordnete wurden trotz Immunität unter polizeiliche Überwachung gestellt. 1917 entstanden in den Industriezentren Hungerrevolten, Streiks und Demonstrationen. Anlass der Demonstrationen war u. a. der 12. Jahrestag des "Petersburger Blutsonntag", bei dem anlässlich der Revolution von 1905 am 22. Januar 1905 etwa 140.000 Arbeitern in Sankt Petersburg zum Winterpalast, der Residenz des Zaren, in der friedlichen Absicht, für menschenwürdigere Betriebsbedingungen, Agrarreformen, Abschaffung der Zensur und religiöse Toleranz zu demonstrieren. Die Demonstranten forderten die Schaffung einer Volksvertretung und eine Agrarreform. Zar Nikolaus II. jedoch ließ die Demonstranten zusammenschießen, obwohl dies keineswegs ein revolutionärer Akt war – im Gegenteil, die Demonstranten trugen prozessionsartig Bilder des Zaren mit sich. Es gab über 1.000 Tote. In Sankt Petersburg gab es durch Hungersnöte ab dem 23. Februar 1917 eine Massenaufruhr. Zar Nikolaus II. befahl die Ermordung politischer Gegner und installierte kurzfristig ein Spitzelsystem im ganzen Land. Die Verhaftung von Regimekritikern aber konnten der revolutionären Stimmung nicht entgegenwirken, sondern führte nur zu einer stärkeren Radikalisierung. Die Schießbefehle des Zaren führten zur Verbrüderung der Garnisonssoldaten und der Demonstranten. 1915 übernahm er den militärischen Befehl über die Truppen. Daraufhin befand sich Nikolaus hauptsächlich im Hauptquartier der Armee und die unbeliebte Kaiserin Alexandra machte Politik. Daraufhin begann die Stürmung auf die Waffenarsenale des Heeres und die Demonstranten ergriffen die Macht. Die Polizei und die Regierung des Zaren wurden aufgelöst. Am 15. März 1917 dankte Nikolaus II. auf Druck der Generalität zugunsten seines Bruders, des Großfürsten Michail (1878-1918), ab, welcher die Krone jedoch zurück wies. Am 21. März wurde Nikolaus II. in Haft genommen und mit seiner Familie nach Sibirien verbannt. Aber auch nach der russischen Revolution von 1917 kam die Judenfeindlichkeit verstärkt zum Ausdruck. Zwischen 1917 und 1921 kam es in 530 Städten und Dörfern zu 1.236 Pogromen, wobei 60.000 Juden ermordet und 500.000 Juden obdachlos wurden. Die Pogrome wurden ausgelöst durch Feldzüge der nationalistischen Ukrainer, die später auch der Deutschen Wehrmacht bei der Ausrottung der Juden im Warschauer Ghetto halfen, durch die Zarenarmee, durch die Kosaken, aber auch durch Bauern und Anarchisten, die mit dem Schlachtruf "Tötet die Juden und rettet Russland" gegen die Juden vorgingen. Von der historischen Vorgeschichte und den unsäglichen Leiden, die die Juden unter den russischen Zaren zu ertragen hatten, ist natürlich nichts bei Jan van Helsing und anderen rechten Ideologen zu finden. Dort wird einfach nur behauptet, dass die Juden führend in der russischen Revolution von 1917 waren. Da die Juden sich aber aufgrund der völligen Verarmung unter den Zaren und unter den vielen Pogromen, unter denen sie über Jahrhunderte zu leiden hatten, sich bereits etwa 150 Jahre vor der russischen Revolution gegen die Politik der Zaren politisch organisiert hatten, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sie auch in der russischen Revolution eine besondere Rolle spielten. Dort waren sie allerdings in beiden politischen Lagern anzutreffen, sowohl bei den mäßiger gesinnten sozialistisch ausgerichteten Menschewiki, als auch bei den kommunistisch orientierten Bolschewiki (Lenin, Trotzki). Die Mehrzahl der Juden fühlte sich sogar eher zu den mäßiger orientierten Menschewiki hingezogen, die allerdings auch eine sehr liberale Haltung gegenüber den Großgrundbesitzern, den Fabrikbesitzern und dem Großkapital hatten, und damit im Grunde genommen das zaristische System stützten. Die Überlegungen der Menschewiki gingen in die Richtung, Russland gewissermaßen von innen her zu reformieren. Das hätte aber wahrscheinlich nur zur Aufrechterhaltung des Zarenregimes geführt. In Wirklichkeit verhielten sich die Dinge aber viel komplizierter. Das eigentliche Drama der russischen Revolution spielte sich in erster Linie innerhalb des russischen Staatsvolkes ab, und sein Vorspann begann in der Zeit, als die überwältigende Mehrheit der Juden noch in sogenannten „Siedlungsrayon“ zusammengepfercht war und sich an den allgemeinen russischen Entwicklungsprozessen kaum beteiligte: „Hundert Jahre lang hatte die russische Gesellschaft der Zarenmonarchie mit einer Revolution gedroht“, schrieb 1927 der russische Schriftsteller Mark Aldanov: „Der letzte russische Zar hat wahrscheinlich deshalb den Vorwarnungen nicht geglaubt, weil es so viele davon gegeben hatte“. Ein Hochschulstudium war im 19. Jahrhundert die einzige Möglichkeit für Juden, aus dem jüdischen Siedlungsrayon (Weissrussland, Ukraine) auszubrechen. Das daraufhin entstandene jüdische akademische Proletariat hat sich verschiedensten revolutionären Bewegungen angeschlossen; sechs der 21 ZK-Mitglieder (Zentralkommitee) der Lenin-Partei (Bolschewiken) waren jüdischer Herkunft. Deshalb behaupten die heutigen Antisemiten, die Oktoberrevolution sei das Werk der Juden gewesen. Abgesehen davon darf man nicht vergessen, dass sich in diesem Kampf viele Juden auf der anderen Seite der Barrikaden, nämlich auf der kapitalistischen befanden. Die Haskala, die jüdische Aufklärungsbewegung, generierte in Russland eine jüdische Intelligenz, die ideologische bzw. programmatische Positionen formulierte. Ihre Positionen konnten sowohl revolutionär nach dem Muster der russischen Narodniki (russische revolutionäre Intellektuelle) aber auch liberal nach westlichem Muster inspiriert sein. Sozialgeschichtlich gesehen fielen diese Ideen bei den Juden auf fruchtbaren Boden, wenn man bedenkt, dass unter den 4 bis 5 Millionen Juden in Russland der Besuch von Sekundarschulen bzw. Gymnasien und dann der Universitäten schnell ab den 1860er Jahren anstieg, zuerst innerhalb des Ansiedlungsrayons, später außerhalb seiner Grenzen. Waren nach 1860 3,4 Prozent der Universitätsstudierenden Juden, so sollten es 1885 14,3 Prozent sein. Die zionistische Linke war seit 1907 (Gründung der Poalei Zion) getragen von der Einsicht, dass es eine Antwort braucht einerseits auf den Antisemitismus in vielen europäischen Ländern und in Russland; andererseits auf die ideologische Forderung marxistischer Lehren, dass sich die Juden zu assimilieren hätten bzw. ihr Judentum (Kultur) aufgeben sollten. Bereits der Dekabristen-Aufstand von 1825 zeigte, wie tief die Kluft zwischen den aktivsten Teilen der russischen Bildungsschicht und dem Zarenregime war. Und diese Kluft vertiefte sich im Verlauf der nächsten Jahrzehnte unentwegt. Diesen Weg der europäisierten Eliten begannen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert auch die russischen Unterschichten zu gehen. Auch bei ihnen fand eine Erosion des Glaubens an den Zaren statt, und das nun entstandene Vakuum wurde durch einen beinahe religiösen Glauben an die heilende Kraft der Revolution ersetzt. Von der Revolution und nicht vom Zaren erwartete die Mehrheit der russischen Bauern nun die Beseitigung aller sozialen Ungerechtigkeiten, vor allem aber die Lösung der Agrarfrage. Bei den Wahlen zur ersten, vor allem aber zur zweiten Staatsduma, der Volkskammer, (1906 und 1907) wählten die angeblich zarentreuen russischen Bauern fast geschlossen revolutionäre und nicht konservative Parteien. So sehe also der vielgepriesene Konservatismus der russischen Bauern aus, spottete damals der russische Ministerpräsident Sergej Witte, der im Gegensatz zu seinen Kabinettskollegen keine Illusionen in bezug auf die angebliche Zarentreue der russischen Unterschichten besaß. Dies war gerade die Zeit, in der sich die russischen Juden nach einem generationenlangen Sonderdasein in die russische Gesellschaft zu integrieren begannen. Dies war eine aufgewühlte, von einer revolutionären Gärung erfasste Gesellschaft, in der die bewahrenden Kräfte nur über wenige Stützen verfügten und praktisch auf verlorenem Posten standen. So gerieten auch viele Juden, ebenso wie Vertreter anderer nichtrussischer Nationalitäten, die sich damals zu emanzipieren begannen, beinahe zwangsläufig in den Sog der oppositionellen Gesinnung, die im Lande vorherrschte. Führende Parteifunktionäre jüdischer Herkunft spielten sowohl im bolschewistischen als auch im antibolschewistischen revolutionären Lager (Menschewiki, Sozialrevolutionäre u. a.) eine wichtige Rolle. Warum konzentriert sich aber die Aufmerksamkeit der rechten Autoren vor allem auf das Wirken der „jüdischen Bolschewiki“ und lässt die Tätigkeit ihrer unzähligen jüdischen Gegner, bis auf wenige Ausnahmen, praktisch außer acht? Welchen Rückhalt genossen die Kommunisten wirklich bei der jüdischen Bevölkerung insgesamt? Eine präzise und auf genaue Zahlen gestützte Antwort auf diese Frage stellt ein äußerst kompliziertes Unterfangen dar, weil die Juden bis 1948 keinen eigenen Staat besaßen. So ist die Zahl der jüdischen Wähler für die kommunistischen Parteien in den Ländern der jüdischen Diaspora nicht leicht zu ermitteln. Unter der jüdischen Diaspora versteht man die Juden, die außerhalb des jüdischen Staates Israel leben. In diesem Falle also in Russland. Erst nach der Gründung des Staates Israel änderte sich diese Situation, und man kann von diesem Zeitpunkt an mit verlässlichen Zahlen operieren. Und wie sehen diese Zahlen aus? So erzielte die israelische KP (Kommunistische Partei) bei den ersten Knesseth-Wahlen vom Januar 1949 weniger als 4 % der Stimmen. Und dies ungeachtet der Dankbarkeit, die viele Juden gegenüber der Sowjetunion wegen des Sieges über das Dritte Reich und wegen der Unterstützung des Staates Israel in seiner Gründungsphase empfanden. Russische
Revolution 1905 |